- Das neue Reformpaket der Bundesregierung enthält keine Änderungen an der Bitcoin-Haltefrist, sodass Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoin nach einer Haltedauer von mehr als einem Jahr für Privatanleger vorerst steuerfrei bleiben.
- Eine Abschaffung der Haltefrist ist zwar politisch weiterhin im Gespräch, würde jedoch ein vollständiges Gesetzgebungsverfahren erfordern und ist bislang weder beschlossen noch öffentlich bestätigt.
Die Bundesregierung hat das neue Reformpaket auf den Weg gebracht, das Deutschland laut Friedrich Merz „nach vorne bringen soll“. Aus Sicht von Bitcoin-Investoren waren jedoch weniger die allgemeinen Inhalte entscheidend, sondern vielmehr die Frage, ob darin konkrete Hinweise auf eine Abschaffung der Bitcoin- und Krypto-Haltefrist enthalten sind.
Wie wir bereits berichteten, war am Montag eine vermeintlich echte E-Mail durchgesickert und auf X veröffentlicht worden. Darin hatte CSU-Politiker Thomas Silberhorn angedeutet, dass die Abschaffung der Bitcoin-Haltefrist angeblich bereits beschlossene Sache sei und im Jahr 2027 auf den Weg gebracht werden solle. Bislang gibt es dafür jedoch keine öffentlich belastbare Bestätigung.
Neues Reformpaket ohne Krypto-Steuer: Entwarnung oder Verzögerung?
Das neue umfangreiche Reformpaket enthält keinerlei Änderungen bezüglich der Bitcoin-Haltefrist. Das bedeutet nach wie vor:
Wer Bitcoin länger als ein Jahr hält und anschließend verkauft, muss auf diesen Verkauf als Privatanleger keine Steuern zahlen.
Dieser Fakt ist auf jeden Fall positiv zu werten. Ist damit jedoch die Abschaffung komplett von der Agenda gestrichen?
Unserer Meinung nach: keineswegs. Erst im April und in weiteren Sitzungen dieses Jahres kündigte Lars Klingbeil die mögliche Abschaffung der Haltefrist an. Damals führte er aus:
„Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern. Das alles sind Maßnahmen, die wir jetzt beschlossen haben, mit den Eckwerten, die umgesetzt werden und die dann zur Etatreife auch für den Bundeshaushalt gebracht werden sollen, den wir Anfang Juli beschließen.“
Glücklicherweise scheint das Thema der Kryptobesteuerung aktuell keine große Priorität zu genießen. Dies bedeutet jedoch keinesfalls, dass es komplett vom Tisch ist. Auf der anderen Seite ist es nicht ganz einfach, die Haltefrist ohne Weiteres aus dem Gesetz zu streichen. Die rechtlichen Anforderungen dafür sind komplex.
Warum eine Abschaffung nicht einfach per Beschluss möglich wäre
Die Bitcoin-Haltefrist kann nicht einfach durch eine politische Ankündigung, ein internes Papier oder ein Ministeriumsschreiben abgeschafft werden. Die steuerliche Behandlung privater Krypto-Verkäufe ergibt sich aus dem Einkommensteuergesetz, insbesondere aus § 23 EStG. Soll Bitcoin künftig auch nach mehr als einem Jahr Haltedauer steuerpflichtig werden, müsste der Gesetzgeber diese Regel ausdrücklich ändern.
Dafür wäre ein reguläres Gesetzgebungsverfahren notwendig. Zunächst müsste ein konkreter Gesetzentwurf vorgelegt werden, etwa durch die Bundesregierung oder aus dem Bundestag.
Anschließend müsste der Entwurf durch die Ausschüsse, den Bundestag und je nach Ausgestaltung auch durch den Bundesrat. Erst nach der Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten und der Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt könnte eine solche Änderung überhaupt in Kraft treten.
Für Anleger entscheidend wäre außerdem die Frage des Bestandsschutzes. Würde eine neue Regel nur für künftig gekaufte Bitcoin gelten? Oder wären auch Altbestände betroffen, die bereits länger als ein Jahr gehalten werden?
Gerade Letzteres wäre rechtlich und politisch besonders heikel, weil viele Investoren ihre Entscheidungen auf Basis der bisherigen Steuerfreiheit getroffen haben. Solange es keinen konkreten Gesetzestext gibt, bleibt daher offen, ob eine mögliche Reform überhaupt kommt – und falls ja, wie stark sie bestehende Bitcoin-Bestände tatsächlich betreffen würde.
Vorerst keine Änderung: Warum wir trotzdem skeptisch bleiben
Leider haben die letzten Jahre in Deutschland gezeigt, dass viele Dinge, die vor wenigen Jahren noch undenkbar schienen, heute zur harten Realität gehören. Dennoch sind wir zum jetzigen Zeitpunkt natürlich erfreut, dass vorerst alles bleibt, wie es ist. Wir bleiben weiterhin wachsam und halten euch auf dem Laufenden. Die folgende Tabelle fasst alle wichtigen Fakten zusammen.








