Bitcoin steckt laut Glassnode zwischen zwei entscheidenden Preisleveln fest: zwischen 63.000 und 68.700 US-Dollar. Während der Verkaufsdruck nachlässt, fehlen weiterhin Käufer. Zudem erhöhen stark gehebelte Long-Positionen das Risiko eines Rückfalls auf 58.500 US-Dollar.

Bitcoin-Kurs verharrt zwischen entscheidenden Preismarken

Der Bitcoin-Kurs notiert knapp über dem mittleren Realized Price bei 63.000 US-Dollar. Diese Marke teilt die Kostenbasis aller Coins in zwei Hälften und hat seit mehr als einem Monat sämtliche Tests von oben abgefangen.

Bei 68.700 US-Dollar liegt die Kostenbasis der Short-Term Holder. Da die jüngsten Käufer derzeit Verluste verbuchen, dürften viele von ihnen eine Erholung zum Ausstieg nutzen. Glassnode schreibt:

„Eine nachhaltige Rückeroberung von 68.700 US-Dollar würde die jüngsten Käufer wieder in die Gewinnzone bringen und den ersten echten Test des darüberliegenden Angebots eröffnen. Fällt dagegen der Median Realized Price, bleibt bis zu den Juni-Tiefs nur wenig strukturelle Unterstützung.“

Der aggregierte Realized Price liegt deutlich tiefer bei rund 52.800 US-Dollar. Der durchschnittliche Coin befindet sich somit weiterhin komfortabel im Gewinn.

Bitcoin Kurs verhaart zwischen entscheidenden Preisleveln
Bitcoin-Kurs verhaart zwischen zwi entscheidenden Preisleveln., Quelle: X @glassnode

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Gleichzeitig ist das in BTC gemessene Spot-Handelsvolumen auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Glassnode-Datenreihe Anfang 2019 gefallen. Glassnode erwartet eine steigende Volatilität und warnt:

„Weniger Bitcoin wechseln den Besitzer als zu irgendeinem Zeitpunkt in den vergangenen sieben Jahren. Ein derart dünner Markt verstärkt die Bewegung der Seite, die zuerst aktiv wird: Schon eine moderate Nachfrage kann den Kurs anheben, während ein begrenztes Angebot ihn nach unten drücken kann.“

Eine Kapitulation fehlt weiterhin

Nur noch etwas mehr als die Hälfte des zirkulierenden Bitcoin-Angebots liegt im Gewinn.

Bitcoin-Supply im Minus
Nur die Hälfte des gesamten Bitcoin-Supply ist im Minus, Quelle: X @glassnode

Gleichzeitig ist die sogenannte Seller-Exhaustion-Konstante auf den niedrigsten Stand des aktuellen Zyklus gefallen. Ein niedriger Wert deutet darauf hin, dass der Verkaufsdruck zunehmend nachlässt und viele verkaufsbereite Marktteilnehmer ihre Positionen bereits abgestoßen haben.

Im historischen Vergleich ist der aktuelle Wert ebenfalls sehr niedrig: Bei früheren Bärenmarkttiefs fiel die Kennzahl allerdings noch etwas weiter, wie das nachfolgende Chart zeigt.

Bitcoin Seller-Exhaustion-Konstante
Bitcoin Seller-Exhaustion-Konstante, Quelle: X @glassnode

Ein vollständiges Kapitulationssignal erkennt Glassnode darin daher noch nicht. Darauf deutet auch der Adjusted SOPR hin: Seit dem Allzeithoch im Oktober gab es neun Versuche, die Marke von 1,0 nachhaltig zu überwinden – bislang ohne Erfolg.

Ein Wert unter 1,0 bedeutet, dass Coins im Durchschnitt mit Verlust verkauft werden. Dass die Rückkehr über die Break-even-Schwelle wiederholt scheitert, spricht somit weiterhin für einen Angebotsüberhang und anhaltenden Verkaufsdruck:

„Die Verkäufer zeigen deutliche Ermüdungserscheinungen, doch der finale Ausverkauf, der frühere Bärenmärkte beendete, ist bislang ausgeblieben. Eine Portion Schmerz würde das historische Muster vervollständigen – alternativ kann der Markt die Bereinigung über eine langwierige Seitwärtsbewegung vollziehen.“

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Wie wir berichteten, verzeichneten die US-Spot-ETFs Ende Juli erstmals seit Monaten wieder positive Nettozuflüsse. Ihr Umfang entspricht laut Glassnode jedoch nur einem Bruchteil früherer Akkumulationsphasen.

Zugleich fließen weiterhin Coins auf Börsen, auch wenn sich das Tempo seit Anfang Juni deutlich verlangsamt hat:

„Die Abflusswelle vom Juni ist ausgelaufen und beseitigt damit eine Quelle des Verkaufsdrucks. Das institutionelle Kaufinteresse, das den Markt 2024 und 2025 angetrieben hat, ist jedoch nicht zurückgekehrt.“

Gehebelte Long-Positionen verschärfen das Risiko

Der Derivatemarkt deutet bereits auf eine zunehmend optimistische Positionierung hin. Auf Hyperliquid sind große Marktteilnehmer seit Mitte März durchgehend netto long positioniert.

Gleichzeitig ist das Open Interest bei Futures stark gestiegen: Es übersteigt inzwischen das Handelsvolumen eines gesamten Tages und nähert sich dem Rekordniveau vom vergangenen September.

Damit wächst allerdings auch das Risiko größerer Liquidationen. Eine entsprechende Abwärtsbewegung könnte den Bitcoin-Kurs laut Glassnode noch einmal in Richtung des Juni-Tiefs bei 58.500 US-Dollar drücken und eine letzte Kapitulationsphase auslösen.

Für eine klare Rückkehr des bullischen Momentums müsste Bitcoin dagegen zunächst die Marke von 68.700 US-Dollar zurückerobern.

Zum Redaktionszeitpunkt steht der Bitcoin-Kurs bei 63.711,22 USD und verzeichnet in den letzten 24 Stunden ein Minus von 0,45%.