Seit vergangenem Donnerstag ist der Bitcoin-Kurs nach dem Binance-Hack von 81.000 USD auf 77.900 USD zum Redaktionszeitpunkt gefallen. Hinzu kommt weiterer Abwärtsdruck durch die geopolitische Lage, die sich derzeit zuspitzt und die Inflation weiter antreiben könnte. (Der Artikel wird nach dem Chart fortgesetzt.)
Bitcoin-ETFs bluten weiter, Demokraten siegen bei Zwischenwahlen
Die US-Spot-Bitcoin-ETFs bluten weiter und verzeichnen seit vergangenem Freitag Abflüsse von insgesamt 1,156 Milliarden USD. Gestern flossen netto 115 Millionen USD ab. Damit verlangsamten sich die Abverkäufe, nachdem am Freitag mit 643 Millionen USD die höchsten Nettoabflüsse seit mehr als vier Monaten erreicht worden waren.

Ether-ETFs setzen ihre Negativserie fort: Seit dem 29. September 2026 flossen insgesamt mehr als 1,9 Milliarden USD ab. Am 3. November 2026 kamen weitere Nettoabflüsse in Höhe von 85 Millionen USD hinzu. Institutionelle Investoren bauen ihre Positionen in ETH weiter ab und halten sich vorerst zurück.

Die Abwärtsbewegung an den US-Aktienmärkten hat sich vorerst abgeschwächt, nachdem Nvidia gestern um 2,3 %, Microsoft um 2,7 % und Amazon um 2,1 % zulegten. Der technologielastige Nasdaq Composite beendete den Handel mit einem Plus von 0,83 %, während der S&P 500 um 0,36 % stieg. Der Dow Jones verlor dagegen 0,38 %.
Tipp der Redaktion: Bitcoin vererben wird zur Steuerfalle: Bestandsschutz in Gefahr durch BMF-Entwurf
Laut Jay Hatfield, CEO von Infrastructure Capital Management, handelt es sich vor allem um gezielte Käufe zuvor stark gefallener Chip- und KI-Aktien und nicht um eine breit angelegte Markterholung. Tatsächlich befand sich der Nasdaq 100 nach einem Rückgang von mehr als 10 % gegenüber seinem Rekordhoch vom 6. Oktober bereits in einer technischen Korrektur.
Die Erholung geriet allerdings unmittelbar nach den US-Zwischenwahlen erneut unter Druck. Laut Reuters konnten die Demokraten sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat Mehrheiten gewinnen.
Mit Beginn des neuen Kongresses im Januar 2027 verlieren die Republikaner damit die Kontrolle über beide Kammern. In der Nacht brachen die Nasdaq-100-Futures zeitweise um 2,3 % und die S&P-500-Futures um 1,3 % ein. Gleichzeitig fiel Bitcoin kurzzeitig auf rund 75.700 USD, fand jedoch schnell wieder Käufer und erholte sich auf über 77.000 USD.
Für US-Präsident Donald Trump bedeutet das einen erheblichen politischen Rückschlag. Sollten die Demokraten wie prognostiziert beide Kammern kontrollieren, könnten sie zentrale Gesetzesvorhaben der Regierung blockieren, parlamentarische Untersuchungen zu Trumps Verbindungen zur Kryptobranche einleiten und deutlich stärkeren Einfluss auf die Haushalts- und Finanzpolitik nehmen.
Trumps Pläne zum Ausbau der staatlichen Bitcoin-Reserve sowie die Verabschiedung des Clarity Act und weiterer Gesetzesvorhaben würden dadurch erheblich erschwert. Darüber hinaus könnten die Demokraten die Besetzung offener Führungspositionen bei SEC und CFTC mit weiteren kryptofreundlichen Kandidaten erschweren und die Aufsicht über Kryptounternehmen verstärken. Für die Branche würde dies vor allem bedeuten, dass mehrere erhoffte regulatorische und steuerliche Erleichterungen ab 2027 ausbleiben könnten.
Der Ölpreis notiert für die Sorte Brent weiterhin über der Marke von 104 USD und sorgt damit für anhaltenden Inflationsdruck. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen bleibt mit 4,935 % auf einem historisch hohen Niveau. Laut dem FedWatch-Tool der CME liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung am 9. Dezember 2026 bei 78,9 %.
Diese drei Faktoren sorgen für zunehmende Angst und Nervosität unter Anlegern. Der Crypto Fear and Greed Index ist mittlerweile deutlich in den Angstbereich gefallen. Entgegen der allgemeinen Unsicherheit am Kryptomarkt konnte Zcash (ZEC) in den vergangenen 24 Stunden deutlich zulegen.
Als Haupttreiber gelten das für den 5. November 2026 geplante NU7-Netzwerk-Upgrade, das die Blockzeit von 75 auf 25 Sekunden verkürzen soll, sowie ein Short-Squeeze, bei dem zahlreiche Leerverkäufer ihre Positionen zwangsweise schließen mussten und den Kursanstieg damit zusätzlich verstärkten.
Historische Entwicklung von Bitcoin nach den US-Zwischenwahlen
Laut Daten von Coinglass ist der Bitcoin-Kurs nach den letzten vier US-Zwischenwahlen in den Jahren 2010, 2014, 2018 und 2022 um mindestens 27 % gefallen. Das klingt zunächst drastisch, allerdings fielen die Rückgänge im Zeitverlauf immer geringer aus.

Die Zeit, bis Bitcoin nach den US-Zwischenwahlen einen lokalen Boden ausbildete, wurde seit 2014 immer kürzer. 2014 dauerte dies noch 71 Tage, 2018 waren es 39 Tage und 2022 nur noch 13 Tage.
Darüber hinaus lag der Bitcoin-Kurs laut einer neuen Analyse von CoinDesk zwölf Monate nach den US-Zwischenwahlen seit 2014 im Durchschnitt um mehr als 53 % höher. Das Jahr 2010 bleibt bei dieser Betrachtung unberücksichtigt, da der Bitcoin-Markt damals noch sehr klein war. Im Jahr 2015 stieg BTC um 24 %, 2019 um 44 % und 2023 um 92 %.

Die Vergangenheit ist zwar keine Garantie für die Zukunft, dennoch könnte Bitcoin kurzfristig erneut deutlich korrigieren.
Lesetipp: Bitcoin-Kurs im freien Fall? Drei Faktoren setzen den Kryptomarkt massiv unter Druck
Einige Analysten rechnen mit einer kurzfristigen Korrektur und einer anschließenden Erholung – einem Muster, das sich bereits in der Vergangenheit zeigte. Analyst Michaël van de Poppe führt dazu auf X aus:
“Selbst wenn die Demokraten gewinnen, dürfte es kaum zu größeren Veränderungen kommen. Wahrscheinlicher ist, dass wieder mehr Ruhe einkehrt – und genau das wäre für die Aktienmärkte sogar positiv. Schließlich haben sich die Märkte in den Jahren nach den US-Zwischenwahlen historisch besonders gut entwickelt.
Kauft bei Kursrücksetzern nach.
Baut eure Positionen kontinuierlich aus.
Habt Geduld.”
Im neuen Video-Update werfen wir einen detaillierten Blick darauf, welche Faktoren den Bitcoin-Kurs in den nächsten 14 Tagen maßgeblich bewegen könnten.












