Der Bitcoin-Kurs ist am Dienstag bis auf rund 81.200 US-Dollar gestiegen, anschließend jedoch wieder unter 79.000 US-Dollar gefallen. Die Reaktion ist technisch relevant: Zwischen 81.800 und 83.000 US-Dollar treffen derzeit drei langfristige Widerstände nahe beieinander.

Ein Ausbruch über diese Zone würde mehrere Trendmodelle gleichzeitig auf bullisch drehen. Solange er ausbleibt, ist die jüngste Rally trotz starker Signale noch nicht als Trendwende bestätigt.

Bitcoin trifft auf dreifachen Widerstand

Die erste Hürde für Bitcoin bildet die 50-Wochen-Linie bei aktuell rund 81.800 US-Dollar. Der auf X bekannte, pseudonyme Analyst Heisenberg machte bereits vor dem jüngsten Anstieg darauf aufmerksam, dass Bitcoin diesen gleitenden Durchschnitt zurückerobern müsse.

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Nur rund 1.000 US-Dollar höher liegt die nächste Hürde. Der Chartered Market Technician Aksel Kibar sieht bei 82.800 US-Dollar die Nackenlinie eines möglichen Doppelbodens beziehungsweise die Oberkante einer längerfristigen Rechteckformation. Der vorherige Ausbruch über 67.200 US-Dollar hat den größten Teil des Ausbruchs bereits geliefert. Kibar schrieb am Dienstag:

„Ausbruch vom Typ 1; das Kursziel wurde überschritten. Der Kurs notiert nun nahe einem technischen Widerstand; die Bildung langer oberer Schatten deutet darauf hin, dass im Widerstandsbereich Verkäufer in den Markt treten. Bislang eine Kursentwicklung wie aus dem Lehrbuch.“

Bitcoin Tageschart Kursanalyse
Bitcoin-Kursanalyse im Tageschart: 82,800 USD ist entscheidend, Quelle: X @TechCharts

CryptoQuant-Research-Chef Julio Moreno verortet den entscheidenden Widerstand bei 83.000 US-Dollar. Dort verläuft die 365-Tage-Linie, die Moreno als „Endgegner“ für den Bitcoin-Kurs bezeichnet.

Bitcoins Endgegner, der gleitende 365-Tage-Durchschnitt, steht aktuell bei 83.000 US-Dollar
Bitcoins Endgegner, der gleitende 365-Tage-Durchschnitt, steht aktuell bei 83.000 US-Dollar, Quelle: X @jjcmoreno

Die Zone zwischen 81.800 und 83.000 US-Dollar ist damit kein einzelner Chartwiderstand, sondern ein Cluster aus drei langfristig relevanten Marken.

Erster Angriff endet mit Abweisung

Bitcoin erreichte am Dienstag ein Tageshoch bei rund 81.220 US-Dollar, konnte das Niveau jedoch nicht halten. Zum Redaktionszeitpunkt notierte BTC wieder bei rund 78.500 US-Dollar.

Der Rücksetzer bestätigt zunächst das Angebot im unteren 80.000er-Bereich, vor dem auch Real-Vision-Chefanalyst Jamie Coutts gewarnt hatte. Für eine belastbare Trendwende reicht ein Intraday-Ausbruch nicht aus. Wichtig wäre ein Tages- und vor allem ein Wochenschluss oberhalb von 82.800 bis 83.000 US-Dollar.

Kurzfristig bildet der Bereich um 78.000 US-Dollar die erste Unterstützung. Hält er, bleibt ein weiterer Angriff auf den Widerstandscluster möglich.

On-Chain-technisch hat sich der Ausblick bereits deutlich aufgehellt. Glassnode-Mitgründer Rafael Schultze-Kraft meldete via X ein sogenanntes Supply Profitability Crossing. Schultze-Kraft schreibt:

„Das Supply Profitability Crossing hat ein Signal ausgelöst. Der Anteil des BTC-Angebots im Gewinn liegt wieder über dem Gewinnanteil der Langzeitinvestoren (LTH) – ein Indikator, den wir seit Jahren beobachten, um Erholungsphasen nach Bärenmärkten zu verfolgen. Dies ist das erste Signal dieser Art nach einem Kursrückgang von mehr als 40 % seit Januar 2023.“

Bitcoin Supply Profitability Crossing
Erstes Bitcoin Supply Profitability Crossing seit 2023, Quelle: X @n3ocortex

Die Performance nach dem Signal ist historisch gesehen extrem stark: In 16 der 17 Fälle lagen die durchschnittlichen Kursanstiege nach einem Monat bei 12 Prozent, nach drei Monaten bei 22 Prozent, nach sechs Monaten bei 47 Prozent und nach einem Jahr bei 127 Prozent.

Rally besitzt außergewöhnliche Stärke

In einem weiteren Beitrag erklärte der Glassnode-Mitgründer, dass die Käuferseite so ungeduldig wie seit Jahren nicht mehr ist. Der steile Anstieg des Bitcoin-Kurses spricht daher für eine aggressive Nachfrage. Schultze-Kraft teilte das nachfolgende Chart und erklärte:

„Die Käufer warten nicht mehr auf einen besseren Preis. Ich habe sie schon seit Jahren nicht mehr so ungeduldig erlebt.“

Ungleichgewicht zwischen Spot-Flow und Preis
Ungleichgewicht zwischen Spot-Flow und Preis, Quelle: X @n3ocortex

Jamie Coutts sieht in der Bitcoin-Rallye der letzten Tage mehr als eine Gegenbewegung innerhalb eines Abwärtstrends. Volatilitätsbereinigt war der zweitägige Anstieg nach seiner Berechnung die fünftstärkste Bitcoin-Bewegung seit 2018 und entsprach einer Abweichung von 4,4 Standardabweichungen.

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Bei 14 vergleichbaren Fällen notierte Bitcoin nach 30, 90 und 180 Tagen in mehr als 70 Prozent der Beobachtungen höher. Coutts wertet dies als Hinweis auf einen möglichen Wendepunkt im Zyklus.

Was die aktuelle Rallye bedeuten koennte
Was die aktuelle Rallye bedeuten könnte, Quelle: X @Jamie1Coutts

Seine Analyse liefert zugleich aber das wichtigste Gegenargument gegen eine sofortige Fortsetzung der Rally: Im unteren 80.000er-Bereich wartet ein umfangreiches Angebot. Genau dort ist der erste Ausbruchsversuch nun gescheitert.

Sind 144.000 US-Dollar möglich?

Noch weiter geht Heisenbergs Auswertung der 50-Wochen-Linie. In den vergangenen vier Fällen, in denen Bitcoin nach einem deutlichen Rückgang wieder über diesen Durchschnitt stieg, folgten innerhalb der nächsten Monate Kursgewinne von 34, 42, 152 und 85 Prozent.

Aus dem Durchschnitt dieser vier Bewegungen leitet der Analyst ein mögliches Kursziel von rund 144.000 US-Dollar ab:

„Wenn man also einfach den Durchschnitt dieser Renditen zugrunde legt, könnte der Bitcoin-Kurs – rein auf Basis historischer Trends – bei etwa 144.000 US-Dollar liegen.“