Der größte Vermögensverwalter der Welt, dessen verwaltetes Vermögen von mehr als 10 Billionen USD das BIP Deutschlands bei Weitem übersteigt, hält an der langfristigen Investmentthese von Bitcoin fest. BlackRock erläutert in einer neuen Analyse die komplexen Gründe für die jüngste Korrektur und erklärt, warum sich das Unternehmen weiterhin bullisch für BTC positioniert.

BlackRock: Trotz starker Korrektur gehört BTC weiterhin in jedes Portfolio

Nach einem Rekordhoch des Bitcoin-Kurses von knapp 124.600 USD im Oktober 2025 ist BTC zeitweise unter 60.000 USD und damit um mehr als 50 Prozent gefallen. Laut den führenden BlackRock-Analysten Will Su und Robert Mitchnick ist dieser starke Preisrückgang vor allem auf übermäßig gehebelte Positionen zurückzuführen.

Bitcoin-Kursentwicklung von Januar 2022 bis Juni 2026 mit Anstieg von 15.765 auf 124.606 US-Dollar und anschließendem Rückgang um 53 Prozent auf 58.642 US-Dollar.
Bitcoin stieg vom Tief Ende 2022 um rund 690 Prozent auf ein Rekordhoch von 124.606 US-Dollar im Oktober 2025. Bis Juni 2026 fiel der Kurs anschließend um 53 Prozent auf 58.642 US-Dollar.

Auf dem Höhepunkt belief sich das offene Volumen bei Bitcoin-Futures auf mehr als 90 Milliarden Dollar. Rund 80 Prozent davon entfielen auf sogenannte Perpetual Futures außerhalb der CME – Kontrakte, bei denen teilweise mit sehr hohen Hebeln gehandelt werden konnte.

Die folgenden Grafiken zeigen die beschriebene Entwicklung.

Entwicklung des Bitcoin Open Interest von 2022 bis 2026 mit Anstieg auf knapp 100 Milliarden US-Dollar im Oktober 2025 und anschließend starkem Rückgang.
Das Open Interest bei Bitcoin-Futures stieg bis Anfang Oktober 2025 auf knapp 100 Milliarden US-Dollar. Am 10. Oktober folgte ein außergewöhnlich starker Tagesrückgang von rund 20 Milliarden US-Dollar.

Mitchnick führt dazu im Detail aus, dass diese Entwicklungen die langfristige Investmentthese für BTC keinesfalls verändert haben:

“Wir betrachten den Ausverkauf vor allem als Folge einer Entschuldung am Markt und veränderter Kapitalströme. Die grundlegende Investmentthese für Bitcoin als entstehende globale monetäre Alternative und als besonderer Baustein zur Diversifikation eines Portfolios hat sich aus unserer Sicht dadurch nicht verändert.”

Zusätzlicher Verkaufsdruck wurde durch die im Januar 2024 gestarteten Bitcoin-ETFs erzeugt. Von ihrem Start bis Oktober 2025 konnten BlackRocks Spot-Bitcoin-ETF IBIT und weitere BTC-ETFs insgesamt Kapital in Höhe von 60 Milliarden USD einsammeln. Davon flossen jedoch mehr als 5 Milliarden USD wieder ab.

Laut Su war weiterhin eine Kapitalrotation aus dem Kryptomarkt vor allem in KI-Aktien wie Micron Technology, SanDisk und andere Titel zu beobachten. BlackRock sieht darin eher eine Verschiebung der Anlegerströme als einen dauerhaften Rückzug institutioneller Investoren aus Bitcoin.

Die nächste Grafik zeigt im Detail die Entwicklung der Kapitalströme in Bitcoin und KI-Aktien.

Kumulative Kapitalflüsse in Bitcoin-ETPs und KI-ETFs von Januar 2024 bis Juli 2026, mit 60 Milliarden US-Dollar Bitcoin-Zuflüssen bis September 2025 und anschließenden Abflüssen von 5 Milliarden US-Dollar.
Bitcoin-ETPs sammelten von Januar 2024 bis September 2025 rund 60 Milliarden US-Dollar ein. Ab Oktober 2025 drehte sich das Bild: Während aus Bitcoin-Produkten rund 5 Milliarden US-Dollar abflossen, zogen KI-Themenfonds bis Juli 2026 etwa 46 Milliarden US-Dollar an.

BlackRock argumentiert zudem, dass sich der Bitcoin-Markt strukturell verändert hat. Regulierte Futures, Optionen und börsengehandelte Produkte haben die Liquidität deutlich erhöht. Die annualisierte Volatilität lag zuletzt über weite Strecken unter 50 Prozent, nachdem Ausschläge von mehr als 100 Prozent vor einem Jahrzehnt noch häufiger waren:

“Vor zehn Jahren wurde Bitcoin fast ausschließlich an Offshore-Kryptobörsen gehandelt, die Liquidität war dünn. Inzwischen verfügt der Markt über Futures, Optionen und börsengehandelte Produkte. Arbitrage und Absicherung zwischen diesen Märkten haben die Liquidität vertieft und dazu beigetragen, die Volatilität zu reduzieren.”

1 bis 2 Prozent Bitcoin-Allokation können langfristig Depotrendite steigern

BlackRock hat ein klassisches Anlegerportfolio über mehrere Jahre hinweg analysiert. Der Vermögensverwalter kommt zu dem Ergebnis, dass bei einem durchschnittlichen Depot, das zu 60 Prozent aus Aktien und zu 40 Prozent aus Anleihen besteht, eine Bitcoin-Allokation von 1 bis 2 Prozent langfristig die Rendite erhöht:

“Unsere historische Zehnjahresanalyse eines traditionellen US-Portfolios aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen zeigt, dass eine aus dem Aktienanteil finanzierte Bitcoin-Beimischung von 1 bis 2 Prozent die Rendite verbessert hätte, während die Risikoeigenschaften des Portfolios insgesamt vergleichbar geblieben wären.”

Bemerkenswert ist dabei, dass sich die Rendite erhöht, während das Risikoprofil grundlegend gleich geblieben ist. Wichtig ist an dieser Stelle anzumerken, dass die vorgestellten Ergebnisse hypothetischer Natur sind und keine Aussage darüber zulassen, wie sich eine solche Strategie künftig entwickeln kann oder wird.

Ein weiterer Punkt in BlackRocks Analyse ist die ungewöhnliche Verteilung der Bitcoin-Renditen. Über die vergangenen zehn Jahre zeigte BTC deutlich häufiger renditestarke Monate als klassische Anlageklassen. Die folgende Grafik zeigt diese Entwicklung im Detail.

Vergleich der monatlichen Bitcoin-Renditen mit S&P 500, Gold, US-Anleihen und Schwellenländer-Aktien über zehn Jahre.
Bitcoin weist im Zehnjahresvergleich deutlich größere monatliche Ausschläge als klassische Anlageklassen auf. Auffällig sind vor allem seltene, aber besonders starke Gewinnmonate, während auch die möglichen Monatsverluste erheblich ausfallen.

Links sieht man die Verteilung der monatlichen Gewinne und Verluste. Bitcoin fällt dabei deutlich aus dem Rahmen: Die Ausschläge waren wesentlich größer als bei Gold, US-Anleihen, Schwellenländer-Aktien oder dem S&P 500. Es gab Monate mit sehr hohen Verlusten von rund 40 Prozent, aber auch einzelne Monate mit Gewinnen von deutlich mehr als 50 Prozent.

Entscheidend ist die rechte Grafik. Sie zeigt die sogenannte Schiefe der Renditeverteilung. Bitcoin weist hier eine deutlich positive Schiefe auf. Das bedeutet vereinfacht: Sehr starke Gewinnmonate kamen seltener vor, waren dafür aber besonders groß. Beim S&P 500 ist das Muster eher umgekehrt. Dort gab es häufiger kleinere positive Monate, während starke negative Ausschläge das Bild stärker prägen.

Für ein Portfolio ist das deshalb interessant, weil Bitcoin damit ein anderes Renditemuster als klassische Aktien aufweist. Genau darin sieht BlackRock einen möglichen Diversifikationseffekt: Ein Vermögenswert, der sich nicht immer genauso verhält wie Aktien oder Anleihen, kann die Struktur eines Portfolios verändern.

Wichtig ist aber auch die andere Seite der Grafik. Die großen positiven Ausschläge von Bitcoin gingen mit erheblichen Verlustmonaten einher. Die Darstellung zeigt also nicht, dass Bitcoin risikoarm wäre, sondern dass Gewinne und Verluste anders verteilt sind als bei traditionellen Anlageklassen.

Zum Redaktionszeitpunkt bewegt sich der Bitcoin-Kurs seitwärts und notiert mit einem leichten Plus von 0,10 Prozent bei 64.220,79 USD.