Kraken hält eine Verabschiedung des CLARITY Act im Jahr 2026 weiterhin für möglich. Jonathan Jachym, Global Head of Policy and Market Structure der Kryptobörse, warnt jedoch, dass bloße Regeln von SEC und CFTC keine ähnlich dauerhafte Grundlage für Börsen, DeFi-Protokolle und Entwickler schaffen würden.
Das Gespräch mit „Crypto in America“ wurde am 2. September veröffentlicht, laut den Moderatoren aber bereits Mitte August beim Wyoming Blockchain Symposium aufgezeichnet. Jachyms Einschätzung bildet damit nicht den aktuellen Stand ab, bietet aber dennoch interessante Insights.
Wie wir am Freitag berichteten, hat die republikanische Führung im Repräsentantenhaus zwei geplante Sitzungswochen im September gestrichen. Hiermit wird der Zeitplan für eine Verabschiedung noch enger.
Kraken sieht offene Punkte nur noch als „Feinabstimmung“
Jachym zufolge hat der mehr als einjährige Prozess im Senat trotz politischer und inhaltlicher Konflikte deutliche Fortschritte gebracht. Der angekündigte Verfahrensentscheid im September eröffne weiterhin ein Zeitfenster für das Gesetz. Den Optimismus bezeichnete er nicht als bloße Außendarstellung der Branche.
„Ich glaube, dass es definitiv einen Weg gibt. Die Fortschritte unmittelbar vor der Sitzungspause und die Forderung von Mehrheitsführer Thune nach einer Abstimmung im September eröffnen uns dieses Zeitfenster. Ich denke, die harte Arbeit wird im September zu einem guten Ergebnis führen.“
Zu den noch umstrittenen Bereichen zählen Ethikregeln, das Verhältnis zwischen Banken und dem Kryptosektor sowie jener Gesetzesteil, der die Aufsicht der CFTC über zentrale Krypto-Intermediäre regeln soll. Dass Banken bereits ausgehandelte Stablecoin-Fragen erneut auf den Tisch bringen, nannte Jachym enttäuschend. Für das Zustandekommen einer Einigung hält er den Konflikt jedoch nicht für fatal.
Auch beim CFTC-Teil gehe es inzwischen vor allem um Details. Börsen wie Kraken, Coinbase, Gemini und Crypto.com hätten unterschiedliche Geschäftsmodelle und geografische Schwerpunkte. Die Grundprinzipien seien hingegen bekannt: Schutz vor Marktmissbrauch, Regeln für die Zulassung von Assets, Offenlegungspflichten und Kundenschutz.
Gesetz soll Regeln über Regierungswechsel hinaus absichern
Die größte Lücke sieht Jachym derzeit im Nebeneinander einzelstaatlicher US-Lizenzen für Geldtransmitter. Ein einheitlicher Bundesrahmen würde zentrale Intermediäre erstmals konsistent erfassen.
„Das ist das Wichtigste, was die US-Regierung für den Kundenschutz in Amerika tun kann, denn wir unterliegen noch immer einem Flickenteppich einzelstaatlicher MTL-Lizenzen. Einige Bundesstaaten wie New York und Kalifornien haben zwar eigene Regelwerke geschaffen. Ohne die bundesweite Einheitlichkeit des CLARITY Act bleibt jedoch eine erhebliche Lücke beim Kundenschutz.“
SEC und CFTC könnten auch ohne das Gesetz neue Regeln erlassen. Kraken werde diese Arbeit unterstützen. Der strukturelle Nachteil bestehe jedoch darin, dass eine spätere Regierung solche Vorgaben wieder ändern könne und Behördenregeln zudem regelmäßig gerichtlich nach dem Administrative Procedure Act angefochten würden.
Für DeFi-Protokolle und Entwickler sei eine gesetzliche Verankerung deshalb besonders relevant. Sie würde Schutzbestimmungen dauerhafter machen und Investitionen in den US-amerikanischen On-Chain-Sektor erleichtern.
„Im DeFi-Ökosystem wurde in diesem Gesetzentwurf viel gute Arbeit geleistet. Es ist wichtig, dass dies gesetzlich und nicht nur regulatorisch verankert wird. Diese Chance zu verpassen wäre mit Blick auf die langfristigen Aussichten in den Vereinigten Staaten gefährlich.“
Internationale Regulierung erhöht den Zeitdruck
Jachym verwies auf Europa, Großbritannien, Australien, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie Teile Lateinamerikas und Südostasiens, wo Regelwerke bereits gelten oder in die Umsetzungsphase gehen. Klare Vorgaben ermöglichten Unternehmen Investitionen und Expansion, selbst wenn die Branche nicht jede einzelne Regel unterstütze.
„Die USA liegen hier eindeutig zurück. Angesichts der bereits geleisteten Arbeit haben wir im September jedoch diese Chance. Am Ende geht es dabei tatsächlich um die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten.“
Jachym blieb daher zuversichtlich, dass politischer Wille und ein weitgehend ausgehandelter Gesetzestext noch vor den Zwischenwahlen zusammenfinden könnten. Zugleich drängt die Zeit.












