• US-Staatsanwälte haben Strafanzeige gegen den Google-Softwareingenieur Michele Spagnuolo eingereicht.
  • Die Behörden werfen ihm vor, mit internen Google-Informationen rund 1,2 Millionen Dollar auf Polymarket verdient zu haben.

Ein Softwareingenieur von Google steht im Zentrum eines ungewöhnlichen Falls an der Schnittstelle von Suchdaten, Prognosemärkten und Krypto-Handel. US-Staatsanwälte haben eine Strafanzeige gegen Michele Spagnuolo eingereicht. Vorgeworfen werden ihm Betrug und Geldwäsche.

Parallel dazu reichte die US-Derivateaufsicht CFTC eine zivilrechtliche Klage ein. Sie wirft Spagnuolo Insiderhandel vor und sieht einen Verstoß gegen den Commodity Exchange Act. Die Vorwürfe wurden am Mittwoch durch entsiegelte Gerichtsunterlagen öffentlich.

Wetten auf Googles Suchtrends

Nach Darstellung der Behörden soll Spagnuolo zwischen Oktober und Dezember 2025 unter dem Konto „AlphaRaccoon“ auf Polymarket gehandelt haben.

Die Plattform erlaubt Nutzern, auf den Ausgang bestimmter Ereignisse zu setzen. In diesem Fall ging es nicht um Wahlen oder Zinsschritte, sondern um Googles „2025 Year in Search List“.

Spagnuolo soll an mindestens 23 Märkten teilgenommen haben, die mit dieser Liste in Verbindung stehen.

Dazu gehörten Aufträge wie „Die meistgesuchte Person bei Google in diesem Jahr“ und „Die fünf meistgesuchten Personen bei Google 2025“.

Auf den ersten Blick wirken solche Märkte wie Kuriositäten des Internets. Für jemanden mit Zugriff auf interne Daten können sie jedoch einen erheblichen Informationsvorsprung darstellen.

Die Ermittler behaupten, Spagnuolo habe auf Basis nicht öffentlicher Informationen gehandelt. Insgesamt soll er mit den Polymarket-Positionen rund 1,2 Millionen Dollar Gewinn erzielt haben.

Prediction Markets geraten stärker in den Blick

Der Fall zeigt, wie schnell Prognosemärkte in klassische Fragen des Finanzrechts hineinlaufen. Polymarket und ähnliche Plattformen werden oft als Informationsmärkte beschrieben, weil sie Erwartungen vieler Teilnehmer bündeln.

Doch sobald Kontrakte auf Daten beruhen, die einzelne Personen vorab kennen können, entsteht ein bekanntes Problem: asymmetrische Information.

Für Regulierer ist das heikel. Die Märkte sehen anders aus als Aktienhandel, aber die Grundfrage bleibt ähnlich. Wer darf handeln, wenn er interne Informationen besitzt? Und wann wird aus einer Wette auf ein Ereignis ein regulierungsrelevanter Markt?