Turing Certs könnte zum wichtigsten IOTA-Anwendungsfall werden, der nicht von der IOTA-Stiftung selbst betrieben wird. Die Plattform des 2020 gegründeten Unternehmens Turing Space soll Diplome, Finanzierungsnachweise und Produktdaten grenzüberschreitend prüfbar machen, ohne dass Behörden, Banken oder Unternehmen ihre bestehenden Systeme ersetzen müssen.
Turing Certs ist nicht mit einer Dokumentenablage zu verwechseln, sondern als Infrastruktur über vorhandenen IT-Systemen zu verstehen. Im Issuer-Holder-Verifier-Modell stellt eine autorisierte Institution einen digitalen Nachweis einmal aus. Der Inhaber speichert und teilt ihn, während ein Prüfer Herkunft, Signatur, Gültigkeit und mögliche Widerrufe kryptografisch kontrolliert.
Die Anbindung erfolgt über APIs. Das aktuelle Entwicklerportal unterstützt OID4VCI und OID4VP sowie SD-JWT VC, wodurch Inhaber nur benötigte Angaben offenlegen können. Einsatzfelder reichen von Diplomen und KYC-Nachweisen über Carbon Credits bis zu Herkunftsdaten und textilen Digital Product Passports.
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Laut Turing Certs wurden bisher mehr als sechs Millionen Credentials von 550 ausstellenden Stellen erzeugt; 45 Behörden in über 15 Ländern und Regionen haben die Technologie bereits übernommen. Das neuere Entwicklerportal spricht inzwischen von mehr als 600 eingebundenen Institutionen.
Die Rolle von IOTA und der Adoptionsfortschritt
IOTA Identity verankert die dezentralen Identifikatoren der Beteiligten. Über IOTA Notarization landet nicht das vertrauliche Dokument selbst auf der Blockchain, sondern ein unveränderlicher, mit Zeitstempel versehener kryptografischer Nachweis. Änderungen am Original werden dadurch erkennbar.
Für die Nutzer soll die Blockchain unsichtbar bleiben. Die IOTA Gas Station übernimmt Transaktionsgebühren zentral, sodass Institutionen keine IOTA-Token beschaffen und Empfänger keine Wallet verwalten müssen. Auf der offiziellen Website heißt es:
„Der Endnutzer stellt einen Nachweis aus oder erhält ihn wie bei jeder modernen SaaS-Anwendung. Keine Wallets, keine Token, keine Reibung.“
Die namhafteste Partnerschaft ist die Zusammenarbeit mit WHO/PMNCH. Turing Space stellte nach eigenen Angaben digitale Zertifikate für mehr als 12.000 Freiwillige in über 150 Ländern aus. In Taiwans Grünstrommarkt wurden bis April 2026 mehr als 4,8 Millionen Renewable Energy Certificates verifiziert.
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Zu den genannten Anwendern zählen außerdem die University of the West of England, die The Hague Academy for Local Governance, Taipehs Stadtverwaltung und mehrere taiwanische Gesundheitsinstitutionen. Gemeinsam mit dem Londoner Textilunternehmen Amphico entwickelte Turing Space 2026 zudem einen Digital-Product-Passport-Prototyp für Herkunft, Materialzusammensetzung, CO₂-Fußabdruck und Recyclingfähigkeit.
Wichtig zu wissen: Die mehr als sechs Millionen ausgestellten Credentials sind nicht mit sechs Millionen IOTA-Transaktionen gleichzusetzen. Turing Space legt öffentlich nicht offen, welcher Anteil historischer Nachweise auf dem heutigen Mainnet verankert wurde.
Ein unabhängiger Tracker ordnet einer bekannten Turing-Certs-Adresse derzeit rund 51.300 Transaktionen zu. Pro Tag sendet Turing Certs etwa 350 Transaktionen, wobei der Höchststand am 29. Juli dieses Jahres bei 4.918 Transaktionen lag. Seit dem Start liegt der Gesamtwert der Transaktionen bei etwa 776 IOTA, die Transaktionsgebühren belaufen sich auf etwa 54 IOTA.














