Michael Saylor, seines Zeichens Chairman von Strategy, führt im vor wenigen Stunden veröffentlichten Q2-Earnings-Investor Q&A aus, dass sich Investoren auf schwierige Jahre einstellen müssen. Zwar konnte die MSTR-Aktie zuletzt im Vergleich zu Bitcoin vermeintlich stark performen, jedoch hat das Unternehmen zuletzt erneut keine Bitcoin gekauft.

Investoren brauchen Anlagehorizont von 4 bis 10 Jahren

Aufgrund des weiterhin anhaltenden Bärenmarktes bei Bitcoin und Kryptowährungen schauen viele Investoren auf den größten börsennotierten Bitcoin-Halter der Welt: Strategy. Laut neuesten Angaben des Unternehmens wurden letzte Woche weder Bitcoin gekauft noch verkauft.

In den vergangenen 4 Wochen hat Strategy insgesamt 6.948 BTC verkauft und den Cashbestand des Unternehmens auf insgesamt 4,8 Milliarden USD erhöht. Dieser Schritt ist keine Abwendung von Bitcoin als Treasury-Asset, sondern dient der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens für weiteres Wachstum.

Strategy-CEO Phong Le führt dazu aus:

“Die wichtigste Erkenntnis ist, wie wichtig ausreichend US-Dollar-Liquidität in unserer Bilanz als Absicherung für die Dividendenzahlungen ist. Genau deshalb verfügen wir inzwischen über 4,8 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln.”

Strategy hat den Fokus zuletzt etwas von Bitcoin weg und verstärkt auf das Thema digitaler Kredite gelegt. Strategy will in diesem stark wachsenden Finanzbereich ein breites Spektrum Bitcoin-gestützter Finanzprodukte aufbauen und sich damit als eine Art „JPMorgan der digitalen Wirtschaft“ positionieren.

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Damit macht Phong Le deutlich, dass der höhere Cashbestand vor allem der Stabilisierung der Kapitalstruktur und der Absicherung des Kreditgeschäfts dient. Zugleich betont das Management, dass Strategy weiterhin flexibel zwischen US-Dollar, Bitcoin und eigenen Finanzierungsinstrumenten allokieren wird, um je nach Marktphase die attraktivsten Chancen nutzen zu können.

Darüber hinaus kamen zuletzt unter Investoren der STRC-Aktie Zweifel auf, ob diese sich langfristig überhaupt wieder aus dem Bärenmarkt kämpfen kann. Le erklärt im Gespräch, dass MSTR seit Beginn der Bitcoin-Strategie des Unternehmens im August 2020 langfristig sogar besser abgeschnitten habe als Bitcoin selbst.

Gleichzeitig räumt er jedoch ein, dass diese Outperformance ihren Preis hat: Fällt Bitcoin deutlich, werden die Kursverluste der Strategy-Aktie in der Regel ebenfalls verstärkt:

“Seit Beginn unserer Strategie, Bitcoin in unsere Bilanz aufzunehmen – das war im August 2020 – ist Bitcoin um 32 Prozent gestiegen, während MSTR um 41 Prozent zugelegt hat. Wir haben Bitcoin über diesen Zeitraum also übertroffen. Ich verstehe allerdings, dass Anleger, die später eingestiegen sind, diese Outperformance bislang nicht erlebt haben. Wenn Bitcoin steigt, tendieren wir dazu, stärker zu steigen, weil wir mehr Bitcoin je Aktie halten. Das bedeutet aber auch, dass wir bei fallenden Bitcoin-Kursen in der Regel stärkere Rückgänge erleben.”

Genau diese Hebelwirkung wird jetzt im aktuellen Bärenmarkt sichtbar. Nach Angaben des Managements lag Bitcoin zeitweise rund 50 Prozent unter seinem Allzeithoch, während die MSTR-Aktie gegenüber ihrem Höchststand rund 75 Prozent eingebüßt hatte.

Anleger erhalten mit MSTR damit zwar die Chance auf eine überproportionale Entwicklung in einem neuen Bitcoin-Bullenmarkt, müssen im Gegenzug aber mit erheblich größeren Schwankungen rechnen.

Michael Saylor warnt vor schwierigen Jahren

Noch deutlicher wurde Chairman Michael Saylor. Aus seiner Sicht eignet sich die MSTR-Aktie nicht für Anleger, die innerhalb weniger Monate eine möglichst stabile Rendite erwarten. Wer die Aktie hält, müsse vielmehr bereit sein, mindestens einen vollständigen Bitcoin-Zyklus zu durchlaufen.

Saylor führt dazu aus:

“Wenn du die Aktie hältst, brauchst du einen Anlagehorizont von mindestens vier Jahren – idealerweise sieben bis zehn Jahre. Bitcoin befand sich vor ungefähr einem Jahr auf einem Allzeithoch. Wenn wir uns in einem Bärenmarkt befinden, bekommst du bei MSTR eine verstärkte Bitcoin-Bewegung. Wenn Bitcoin also 50 Prozent fällt, können wir 75 Prozent fallen. In einem Bullenmarkt erwarten wir dagegen, Bitcoin zu übertreffen. Wenn du MSTR kaufst, erhältst du verstärktes Bitcoin. Und wenn du Bitcoin kaufst, steigst du auf eine Achterbahn.”

Damit setzt Strategy die Erwartungen für Aktionäre bewusst langfristig an. Kurzfristige Kursbewegungen sollen aus Sicht des Unternehmens keine entscheidende Rolle spielen. Stattdessen hängt die Investmentthese davon ab, ob Bitcoin über mehrere Jahre hinweg stärker wächst als die Finanzierungskosten der von Strategy aufgebauten Kreditprodukte.

Genau deshalb könnten für Aktionäre turbulente Zeiten bevorstehen. Saylor macht keinen Hehl daraus, dass Strategy derzeit Investitionen in den Ausbau des digitalen Kreditgeschäfts priorisiert und kurzfristige Maßnahmen zur Stützung des Aktienkurses nicht im Mittelpunkt stehen.

Saylor warnt Investoren:

“Wir befinden uns im Investitionsmodus, um das Kreditgeschäft aufzubauen. Wenn wir Dinge tun, die kurzfristig gut für die Aktie sind, können sie langfristig schlecht für die Aktie sein. Umgekehrt werden die Dinge, die kurzfristig gut für unser Kreditgeschäft sind, langfristig auch gut für die Aktie sein. Wir müssen darauf vorbereitet sein, schwierige Jahre zu erleben. Das kann ein Jahr sein, vielleicht zwei Jahre. Wir würden nicht erwarten, dass es vier Jahre sind, aber möglicherweise müssen wir einige Monate oder ein bis zwei Jahre durchstehen, bevor sich die Entwicklung wieder zugunsten der Aktionäre dreht.”

Für STRC-Investoren ergibt sich damit ein klares Bild: Strategy verspricht keine kurzfristige Stabilität. Vielmehr setzt das Unternehmen darauf, dass Bitcoin langfristig weiter an Wert gewinnt und Strategy durch zusätzliche Bitcoin je Aktie sowie den Aufbau seines digitalen Kreditgeschäfts überproportional davon profitieren kann.

Saylor führt dazu auf X aus, dass Bitcoin im letzten Jahr um mehr als 47 % im Kurs gefallen ist, STRC jedoch ein Plus von 9 % verzeichnete. Strategy treibt in den letzten Wochen die Umstrukturierung weiter voran:

“Durch Finanzengineering lässt sich volatiles digitales Kapital in Instrumente umwandeln, die auf Erträge, Stabilität und ein geringeres Verlustrisiko ausgelegt sind.”

Strategy 1-Jahres-Performance: STRC +9 %, STRD -8 %, STRF -9 %, STRK -27 % und Bitcoin -47 %
1-Jahres-Performance der Strategy-Produkte im Vergleich zu Bitcoin bis zum 14. August 2026. STRC erzielte mit +9 % als einziges dargestelltes Produkt eine positive Rendite, während Bitcoin 47 % verlor.

Im Gesamtkontext ist auch eine aktuelle Betrachtung des gesamten Bitcoin-Bestands des Unternehmens wichtig. Im Jahr 2026 hat Strategy insgesamt 174.895 BTC gekauft und 6.948 BTC verkauft. Damit kommt Strategy auf einen Bitcoin-Bestand von insgesamt 840.447 BTC mit einem Gegenwert von knapp 54 Milliarden USD.

Gemessen an den insgesamt erworbenen 847.395 BTC hat das Unternehmen lediglich 0,82 Prozent aller BTC verkauft. Trotz der jüngsten Verkäufe hält das Unternehmen damit weiterhin mehr als 99 Prozent seiner aufgebauten Bitcoin-Position.

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CEO Le kündigte darüber hinaus vor einer Woche an, bereits in diesem Jahr erneut Bitcoin zu kaufen. Diese Aussagen zeigen, dass Strategy das Geschäftsmodell umbaut und dafür die erforderlichen Schritte unternommen hat. Weder ist das Unternehmen gefährdet, noch fehlt eine zukünftige Unternehmensvision.

Du kannst das ganze Interview hier ansehen: