Strategy hat sich mit dem Kauf von Bitcoin einen Namen gemacht. Nun versucht das Unternehmen, aus seinem BTC-Bestand ein breiteres Finanzgeschäft zu entwickeln. Im Interview mit CoinDesk sprach CEO Phong Le darüber, wie Strategy sein Geschäftsmodell umbaut – und warum er den Konzern inzwischen als „Zentralbank von Bitcoin“ betrachtet.
Aus einer Bitcoin-Wette soll ein Kreditgeschäft werden
Strategy ist der größte börsennotierte Unternehmenshalter von Bitcoin. Le bezifferte den Bestand im Interview auf rund 840.000 BTC, entsprechend etwa vier Prozent des gesamten Bitcoin-Angebots.
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Mit dieser Größenordnung gehe eine besondere Stellung im Markt einher: Selbst vergleichsweise kleine Veränderungen der Treasury-Strategie können den Bitcoin-Kurs spürbar bewegen:
“Wir besitzen vier Prozent aller Bitcoin weltweit, ungefähr 840.000 Bitcoin. Wir sind der größte institutionelle Bitcoin-Halter und inzwischen der größte Halter außerhalb von Satoshi Nakamoto. Wir haben akzeptiert, dass wir damit zu einem Referenzpunkt für den Markt geworden sind. Wir sind heute die Zentralbank von Bitcoin. Was wir tun, hat Auswirkungen.”
Der interessantere Teil der Firmengeschichte liegt inzwischen allerdings nicht mehr allein in der Größe des Bitcoin-Bestands. Das Unternehmen baut um die Kryptowährung eine zunehmend komplexe Kapitalstruktur und vermarktet einen Teil davon unter dem Begriff „Digital Credit“.
Das Wort Kredit ist dabei mit Vorsicht zu lesen. Strategy vergibt keine Darlehen wie eine Bank. Im Kern handelt es sich um börsennotierte, unbefristete Vorzugsaktien, die unterschiedliche Rendite-, Risiko- und Beteiligungsprofile abbilden.
2025 lanciert Strategy fünf dieser Instrumente und nahm über die Börsengänge 5,5 Milliarden Dollar ein. Bis Anfang Februar 2026 kamen nach Unternehmensangaben weitere 1,9 Milliarden Dollar über sogenannte At-the-Market-Programme hinzu.
Die Produktpalette ist bewusst gestaffelt. STRK, von Strategy „Strike“ genannt, zahlt eine feste Dividende von acht Prozent und kann in MSTR-Stammaktien umgewandelt werden.
STRF oder „Strife“ steht innerhalb der Vorzugsaktien weiter oben in der Kapitalstruktur und sieht eine feste Dividende von zehn Prozent sowie zusätzliche Mechanismen für den Fall ausbleibender Ausschüttungen vor. STRD, „Stride“, richtet sich mit ebenfalls zehn Prozent Nominaldividende an Anleger mit höherer Risikotoleranz.
Besonders wichtig für die neue Strategie ist STRC, „Stretch“. Die Vorzugsaktie hat keinen dauerhaft festen Dividendensatz. Strategy kann ihn regelmäßig anpassen, mit dem erklärten Ziel, den Börsenkurs möglichst nahe am Nennwert von 100 Dollar zu halten und die Volatilität zu begrenzen.
Zuletzt lag der ausgewiesene jährliche Dividendensatz bei 11,5 Prozent. Seit Ende Juni erfolgen die Ausschüttungen zweimal monatlich.
Diese Firmenkonstruktion erlaubt Strategy, Anleger anzusprechen, die an der Bitcoin-Strategie des Unternehmens teilhaben wollen, ohne unmittelbar die Schwankungen der MSTR-Aktie oder von Bitcoin aushalten zu müssen.
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Rechtlich bleiben die Instrumente allerdings Vorzugskapital. Sie sind nicht direkt mit den Bitcoin-Beständen des Unternehmens besichert, sondern haben lediglich einen bevorzugten Anspruch auf die verbleibenden Vermögenswerte von Strategy.
Le fasst den langfristigen Anspruch von Strategy deutlich breiter. Der Konzern will seinen Bitcoin-Bestand nicht länger nur als Reserve halten, sondern ihn zum Ausgangspunkt für eine eigene Palette strukturierter Finanzprodukte machen:
“Wenn man JPMorgan betrachtet und all die Dienstleistungen, die das Unternehmen im traditionellen Finanzwesen anbietet, dann wollen wir die JPMorgan des digitalen Finanzwesens sein. Das bedeutet natürlich eine komplexere Strategie, als lediglich Bitcoin zu kaufen und zu halten oder eine gehebelte Bitcoin-Position einzugehen. Wir müssen Produkte schaffen, die ein breiter Markt tatsächlich nachfragt”
Das Modell hat bereits eine beträchtliche Größenordnung erreicht. Ende Mai standen Vorzugsaktien mit einem Nominalwert von rund 15,5 Milliarden Dollar aus.
Allein über eine zusätzliche STRC-Emission nahm Strategy damals rund zwei Milliarden Dollar auf und verwendete die Erlöse zusammen mit einer kleineren Aktienemission für den Kauf von 24.869 weiteren Bitcoin.
Damit verändert sich auch die Finanzierung der Bitcoin-Käufe. Statt ausschließlich Stammaktien oder Wandelanleihen auszugeben, kann Strategy inzwischen Kapital mit unterschiedlichen Ansprüchen auf Rendite und Risiko aufnehmen.
Die Bitcoin-Reserve bleibt der Kern des Modells, darüber entsteht jedoch eine immer feinere Schichtung von Wertpapieren.
Institutionelle Anleger zwingen Strategy zum Umdenken
Diese Konstruktion hat eine Konsequenz, die auf den ersten Blick kaum zur bisherigen Strategy-Logik passt: Der Konzern braucht mehr Dollar.
Le bezifferte die Barreserve im Interview auf inzwischen 4,75 Milliarden Dollar. Das entspricht rund 2,7 Jahren Deckung für die Ausschüttungen auf die Vorzugsaktien. Für ein Unternehmen, das überschüssige Liquidität jahrelang möglichst konsequent in Bitcoin umleitete, ist das ein erheblicher Kurswechsel. Le führt dazu aus:
„Als Bitcoin-Bulle bin ich zunächst davon ausgegangen, dass jeder Bitcoin als einen Vermögenswert betrachtet, der stark steigt und zugleich vollständig liquide ist. Wir haben aber gelernt, dass insbesondere Institutionen und Anleger mit kurzfristigem Kapital Bargeld anders bewerten. Deshalb verfügen wir inzwischen über 2,7 Jahre Dividendendeckung und 4,75 Milliarden Dollar an Cash.”
Der Aufbau dieser Reserve ist mehr als Bilanzkosmetik. Strategy hat sie Ende 2025 ausdrücklich eingerichtet, um Dividenden auf die Vorzugsaktien sowie Zinsen auf ausstehende Schulden bedienen zu können.
Damit muss das Unternehmen inzwischen zwei Interessen gleichzeitig austarieren: möglichst viel Kapital in Bitcoin zu halten und zugleich genügend Dollar vorzuhalten, damit die kreditähnlichen Instrumente auch in schwächeren Marktphasen bedient werden können.
Wie konkret dieser Zielkonflikt geworden ist, zeigte sich bereits im Sommer. Zwischen dem 29. Juni und dem 5. Juli verkaufte Strategy insgesamt 3.588 Bitcoin für rund 216 Millionen Dollar.
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Laut einer Meldung an die US-Börsenaufsicht SEC wurden die Erlöse verwendet, um Ausschüttungen auf Vorzugsaktien zu finanzieren und die dafür eingesetzte Dollarreserve wieder aufzufüllen. Am 5. Juli belief sich diese Reserve auf 2,55 Milliarden Dollar.
Das ist eine deutliche Verschiebung im Geschäftsmodell. Bitcoin dient Strategy weiterhin als zentraler Vermögenswert.
Gleichzeitig schafft das Unternehmen mit Vorzugsaktien, variablen Ausschüttungen und einer eigenen Liquiditätsreserve Strukturen, die wesentlich näher an klassischen Kapitalmärkten liegen als an der ursprünglichen Idee einer einfachen Bitcoin-Treasury.
Du kannst das vollständige Interview hier anschauen:
Strategy wants to be the "central bank of Bitcoin."
On CoinDesk's Public Keys at the @NYSE, @Strategy's @phongle makes the case for beating BTC with digital credit, @Bitwise's Ryan Rasmussen (@RasterlyRock) says the market is mispricing @circle, and Deus X Capital's Tim Grant… pic.twitter.com/dvsCYxo6RF
— CoinDesk (@CoinDesk) August 10, 2026













