Der französische Hardware-Wallet-Hersteller Ledger hat in einem neuen Update erstmals Details zu dem am vergangenen Freitag bekannt gewordenen 100-Millionen-US-Dollar-Skandal veröffentlicht.

Demnach handelte es sich um eine über mehrere Monate geplante und organisierte kriminelle Operation, die nur mit erheblichem finanziellen Aufwand möglich gewesen ist.

Vertriebskanäle über Monate kompromittiert und Tausende Ledger-Geräte aufgekauft

Laut Ledger kauften die Täter reguläre Ledger-Wallets von Drittanbietern auf, öffneten deren Gehäuse und integrierten eigens entwickelte Hardwarekomponenten. Diese erfassten während der Einrichtung unbemerkt die Wiederherstellungsphrasen der betroffenen Nutzer.

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Die manipulierten Geräte übermittelten die gesammelten Seed-Phrasen über ein zusätzlich installiertes LTE-Modul an die Betrüger. Das bedeutet: Weder die Hard- noch die Software von Ledger wurde direkt gehackt. Stattdessen wurden während der Nutzung sensible Daten abgegriffen und auf diesem Weg an die Täter übertragen:

“Es gab keine Schwachstelle in Ledgers Chip, Betriebssystem oder Servern. Unsere Systeme wurden nicht kompromittiert. Der Angriff richtete sich gegen den Vertriebskanal, nachdem die Geräte unseren Kontrollbereich verlassen hatten.”

Der deutsche Nutzer Johannes war der Erste, der ein Ledger Nano X öffnete und darin rote Drähte sowie ein LTE-Modul entdeckte. Seine Funde dokumentierte er öffentlich auf X und teilte dabei sowohl Fotos als auch Videos. Das folgende Foto zeigt ein manipuliertes Ledger-Nano-X-Gerät.

https://x.com/0xJohannes_/status/2109634513957527974
https://x.com/0xJohannes_/status/2109634513957527974

Ledger erklärt weiter, dass Wiederverkäufer in Südostasien die präparierten Geräte zurück auf den Markt brachten. Dabei soll es sich hauptsächlich um den Wiederverkäufer CryptoBillis gehandelt haben. Ledger beendete daraufhin sämtliche Verkaufsaktivitäten und die Zusammenarbeit mit Hunderten Distributoren innerhalb des Netzwerks.

Die Angreifer betrieben laut Angaben des Herstellers eine mehrere Millionen US-Dollar teure Infrastruktur, um Seed-Phrasen abzufangen, Kryptowährungen aus betroffenen Wallets abzuziehen und die gestohlenen Vermögenswerte anschließend zu verschleiern.

Als Folge dieser Vorfälle entschied sich MediaMarkt vorsorglich dazu, sämtliche Ledger-Geräte aus dem Sortiment seiner mehr als 1.000 Filialen weltweit zu nehmen und den Verkauf zu stoppen.

Johannes kaufte zwei Ledger-Geräte bei MediaMarkt und entdeckte in beiden Spionagekomponenten. Seinen Angaben zufolge wurden die Geräte von der Aquipa GmbH vertrieben. Eines davon schickte er an Ledger. Ein offizielles Untersuchungsergebnis zu diesem Gerät liegt bislang jedoch nicht vor.

Ledger erklärt hingegen, dass Hunderte Geräte aus verschiedenen MediaMarkt-Filialen untersucht worden seien und dabei keine Manipulationen festgestellt werden konnten:

“Wir sind jeder Spur nachgegangen. Dazu haben wir unter anderem Teams in verschiedene lokale Märkte, darunter Deutschland, entsandt, um stichprobenartig Geräte im Einzelhandel zu kaufen, zu öffnen und zu untersuchen. Zusätzlich haben wir Geräte aus Lagerbeständen überprüft. Keines der untersuchten Exemplare wies Manipulationen auf.”

In den kommenden Tagen sollen weitere Informationen zu den Tätern und ihren Geldflüssen folgen:

“Gemeinsam mit Strafverfolgungsbehörden und der Sicherheitsgemeinschaft arbeiten wir daran, die Geldflüsse der Täter nachzuverfolgen und deren Infrastruktur zu zerschlagen.”

Wie sicher sind Ledger-Geräte jetzt noch?

Ob du deine Ledger-Hardware-Wallet weiterhin nutzt, bleibt letztlich deine Entscheidung. Mittlerweile gibt es jedoch gewichtige Gründe, über einen möglichen Wechsel nachzudenken. Wir setzen seit mehreren Jahren auf die BitBox02 Nova und sind mit dem Schweizer Gerät rundum zufrieden.

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Die wichtigste Lehre aus dem Ledger-Vorfall ist, dass der direkte Kauf beim Hersteller eine zwingende Notwendigkeit darstellt.

Geräte sollten möglichst nicht über Wiederverkäufer bezogen werden, unabhängig davon, ob diese MediaMarkt oder Saturn heißen. Zehn weitere Tipps zur sicheren Verwahrung deiner Kryptowährungen findest du am Ende dieses Artikels.

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