Der Kryptosektor befindet sich nach Einschätzung von Lorenzo Valente, Director of Research bei ARK Invest, in der größten Konsolidierungsphase seiner bisherigen Geschichte. Die Bereinigung sei tiefer als in früheren Bärenmärkten und dürfte sich in den kommenden Monaten noch beschleunigen.

Valente rechnet mit weiteren Insolvenzanträgen, vollständigen Betriebsschließungen und sogenannten Acqui-Hires. Dabei übernehmen größere Unternehmen kleinere Konkurrenten vor allem wegen ihrer Mitarbeiter und weniger wegen ihrer Produkte oder Kunden.

Wie wir bereits berichteten, haben zuletzt die Perpetuals-Börse BitMEX und die Bitcoin-Börse BitMart überraschend ihre Pforten geschlossen. Laut Valente dürfte sich diese Entwicklung weiter beschleunigen.

Kapital fließt nur noch an wenige Anbieter

Der zentrale Unterschied zu früheren Marktzyklen liegt laut Valente in der veränderten Kapitalverteilung. Investoren gingen selektiver vor, während Unternehmen ohne klaren Product-Market-Fit zunehmend Schwierigkeiten hätten, frisches Geld einzuwerben.

Das betrifft nicht nur kleinere Kryptoprojekte. Auch Handelsplattformen und Infrastrukturanbieter stehen unter Druck, wenn ihre Geschäftsmodelle keine stabilen Gebühreneinnahmen oder ausreichend aktive Nutzer liefern.

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Gleichzeitig konzentrieren sich die Umsätze auf immer weniger Marktteilnehmer. Nach den von Valente genannten Zahlen entfallen rund 67 Prozent der gesamten App-Einnahmen der Branche auf die dezentrale Handelsplattform Hyperliquid und die Memecoin-Plattform Pump.fun.

Zusammen mit dem Stablecoin-Protokoll Ethena sollen die drei Projekte nahezu 80 Prozent des generierten Umsatzes abdecken. Das folgende Diagramm zeigt die derzeitige Umsatzverteilung großer Projekte seit dem Jahr 2025 bis heute.

Gestapeltes Balkendiagramm zur Umsatzverteilung großer Krypto-Apps und -Protokolle von Februar 2025 bis Juli 2026.
Pump.fun und Hyperliquid vereinen über weite Strecken den größten Anteil der dargestellten Krypto-App-Umsätze auf sich.

Langfristig wertet Valente diese Entwicklung als Teil eines Reifungsprozesses im Markt. Für Bitcoin und den breiteren Kryptosektor sei die Konsolidierung aus seiner Sicht dennoch klar bullisch. Dazu erklärt er:

“Ich gehe davon aus, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Monaten noch verstärken wird: deutlich mehr Fusionen und Übernahmen, Anträge nach Chapter 11, Schließungen und „Acqui-Hires“.

Das ist für die Branche extrem Bullisch.”

Glassnode rechnet ebenfalls mit weiterer Korrektur für Bitcoin

Auch das breitere Marktumfeld spricht derzeit eher für eine Fortsetzung der Bereinigung. Glassnode verweist in einer Analyse vom 29. Juli auf eine ungewöhnlich schwache Handelsaktivität. Das in Bitcoin gemessene Spotvolumen sei auf den niedrigsten Stand seit 2019 gefallen.

Zugleich bewegten sich Ein- und Auszahlungen an Kryptobörsen auf einem der niedrigsten Niveaus der vergangenen drei Jahre. Das deutet weniger auf massiven Verkaufsdruck als auf eine weitgehende Zurückhaltung der Marktteilnehmer hin.

Das folgende Chart zeigt die Ein- und Auszahlungen von Bitcoin auf Börsen seit Januar 2023.

Glassnode-Diagramm zu Bitcoin-Ein- und -Auszahlungen an Kryptobörsen sowie den Börsenbeständen von Januar 2023 bis Juli 2026.
Bitcoin-Transfers zu und von Kryptobörsen sind deutlich zurückgegangen. Ein- und Auszahlungen liegen zuletzt bei jeweils rund 21.000 BTC pro Tag.

Ein Grund dafür liegt außerhalb des Kryptomarktes. Die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen liegt laut Glassnode bereits seit Februar über jener Rendite, die institutionelle Händler mit sogenannten Cash-and-Carry-Geschäften am Bitcoin-Terminmarkt erzielen können.

Für professionelle Marktteilnehmer besteht damit weniger Anreiz, Kapital in vergleichsweise aufwendige Krypto-Strategien zu lenken. Liquidität, Markttiefe und Handelsvolumen bleiben entsprechend gedämpft. Das folgende Chart zeigt diese Entwicklung im Detail auf:

Glassnode-Diagramm zum Vergleich der dreimonatigen Krypto-Futures-Rendite mit der Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen und dem Bitcoin-Kurs von 2020 bis 2026.
Die Rendite dreimonatiger Krypto-Futures liegt seit 157 Tagen unter der Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen. Eine längere Phase gab es bislang nur 2022. Quelle: https://research.glassnode.com/the-week-onchain-week-30-2026/

Bitcoin bewegt sich derweil in einer wichtigen Kostenbasiszone zwischen rund 62.000 und 68.000 US-Dollar. In diesem Bereich wechselte ein besonders großer Teil des bestehenden BTC-Angebots zuletzt den Besitzer.

Oberhalb davon gilt die Marke von 69.000 Dollar als zentrale Schwelle für kurzfristige Anleger. Ein nachhaltiger Anstieg darüber müsste nach Einschätzung von Glassnode von zunehmendem Volumen und neuen Zuflüssen in Bitcoin-Spot-ETFs begleitet werden.

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Bislang fehlt dieser Impuls. Die ETF-Nachfrage hat sich zuletzt wieder abgeschwächt, während Käufer ihre Gebote deutlich unterhalb des aktuellen Marktpreises platzieren. Gleichzeitig ist die Verkaufsseite der Orderbücher dünner geworden.

Das reduziert zwar den unmittelbaren Widerstand nach oben, erhöht aber auch die Gefahr abrupter Kursbewegungen in beide Richtungen. Für kleinere Börsen und Protokolle verschärft ein solches Umfeld den Wettbewerb um Nutzer, Gebühreneinnahmen und frisches Kapital.

Darüber hinaus hat die US-Notenbank Fed gestern ihre aktuelle Zinsentscheidung bekannt gegeben und die Leitzinsspanne unverändert bei 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Bitcoin tendiert in den letzten 24 Stunden seitwärts und zeichnet ein leichtes Plus von 0,10% auf 63.987 USD.