Das Scheitern des CLARITY Act hat am Kryptomarkt eine scharfe Verkaufswelle ausgelöst. Bitcoin fiel zeitweise unter 75.000 US-Dollar, während XRP, Ethereum und Solana noch stärkere Verluste verzeichneten. Langfristig dürfte das Gesetz für den Bitcoin-Kurs jedoch deutlich weniger relevant sein als für Altcoins.

Bitcoin fällt nach der Abstimmung unter 75.000 US-Dollar

Bereits vor der Entscheidung war der Bitcoin-Kurs von seinem Montagshoch oberhalb von 79.000 US-Dollar auf rund 77.800 US-Dollar gefallen. Neben den schwindenden Chancen des CLARITY Act belasteten steigende Ölpreise und die bevorstehende Zinsentscheidung der US-Notenbank den Markt.

Nach Bekanntwerden des Abstimmungsergebnisses beschleunigte sich der Ausverkauf. Bitcoin fiel bis auf 74.913 US-Dollar. Gegenüber dem Niveau von 77.800 US-Dollar entsprach dies einem Rückgang von rund 3,7 Prozent. Im Tagesvergleich lag das Minus zeitweise bei 4,3 Prozent.

Am Mittwochmorgen erholte sich BTC auf rund 75.800 bis 76.000 US-Dollar. Vom Wochenhoch aus gerechnet summierte sich der Rückgang dennoch auf mehr als fünf Prozent.

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Altcoins reagierten deutlich stärker. Ether fiel um knapp fünf Prozent auf rund 2.410 US-Dollar. Solana verlor ebenfalls etwa fünf Prozent und rutschte knapp über 97 US-Dollar. XRP brach um fast zehn Prozent auf 1,30 US-Dollar ein.

Bitcoin verliert wichtige Unterstützung

Der von Aksel Kibar noch vor der Abstimmung veröffentlichte Tageschart zeigte Bitcoin in einer Handelsspanne zwischen 76.100 und 82.800 US-Dollar. Das aus der vorherigen Bodenformation abgeleitete Kursziel von 76.000 US-Dollar war bereits erreicht worden.

Bitcoin Tageschart-Analyse
Bitcoin fällt aus der bisherigen Handelsspanne heraus, Quelle: X @TechCharts

Mit dem Rückgang auf 74.913 US-Dollar fiel Bitcoin nun unter die untere Begrenzung dieser Spanne. Damit hat sich das kurzfristige Chartbild eingetrübt. Für eine Stabilisierung müsste BTC die Zone um 76.100 US-Dollar möglichst schnell zurückerobern. Erst ein Anstieg über 82.800 US-Dollar würde dagegen einen neuen bullischen Ausbruch bestätigen.

Auch Analyst Ted (@TedPillows) warnt vor weiteren Verlusten. Bitcoin habe seinen exponentiellen 50-Wochen-Durchschnitt verloren. Aus seiner Sicht sei deshalb zunächst ein Rückgang in den Bereich zwischen 70.000 und 72.000 US-Dollar wahrscheinlich. Diese Zone überschneidet sich annähernd mit Kibars früherer technischer Unterstützung bei 71.500 US-Dollar.

BTC hat das Niveau des 50-Wochen-EMA verloren.
BTC hat das Niveau des 50-Wochen-EMA verloren, Quelle: X @TedPillows

Kurzfristige Anleger kapitulieren

Die Verkaufswelle kam vor allem von kurzfristigen Bitcoin-Besitzern. Laut CryptoQuant-Analysten Darkfost stiegen deren Transfers an Kryptobörsen von 19.400 auf 33.100 BTC. Davon gingen mehr als 10.000 BTC an Binance.

Bei Kraken erhöhten sich die Zuflüsse von normalerweise 2.000 bis 3.000 BTC auf mehr als 6.000 BTC. Insgesamt wurden 23.200 BTC mit Verlust an Börsen transferiert. Damit handelte es sich um die größte Kapitulation kurzfristiger Anleger innerhalb eines Monats.

Bei Coinbase Advanced lagen die Zuflüsse dagegen bei vergleichsweise normalen 7.300 BTC. Dies spricht laut Darkfost dafür, dass die Verkaufswelle große institutionelle Wallets deutlich weniger erfasste.

Bitcoin STH-Kapitulation
Das STH-Kapitulationsereignis ist das größte, das im vergangenen Monat verzeichnet wurde, Quelle: X @Darkfost_Coc

Die Abwärtsbewegung wurde zusätzlich durch eine Liquidationskaskade verstärkt. Laut CoinGlass-Daten wurden innerhalb von 24 Stunden Long-Positionen im Wert von rund 571 Millionen US-Dollar zwangsweise geschlossen – der höchste Stand seit dem 22. August. Auf Bitcoin und Ether entfielen jeweils rund 190 Millionen US-Dollar, auf XRP 30 Millionen und auf Solana 22 Millionen US-Dollar.

Warum der CLARITY Act für Altcoins wichtiger ist

Der CLARITY Act scheiterte mit 49 zu 50 Stimmen an der erforderlichen Schwelle von 60 Stimmen. Damit verzögert sich ein gesetzlicher US-Regulierungsrahmen möglicherweise bis 2027. Für Token-Emittenten, Börsen und DeFi-Protokolle bleibt dadurch unklar, wann ein Kryptoasset als Wertpapier gilt und welche Behörde zuständig ist.

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Bitcoin benötigt diese Einordnung deutlich weniger. BTC besitzt keinen Emittenten, keine Stiftung und keinen ursprünglichen Tokenverkauf. Zudem wird Bitcoin von US-Behörden weitgehend als Rohstoff behandelt und ist bereits über regulierte Futures, Verwahrungsangebote und Spot-ETFs in den traditionellen Finanzmarkt eingebunden.

Arthur Hayes hält den CLARITY Act deshalb für Bitcoin für unbedeutend:

„Bitcoin brauchte den CLARITY Act von 2009 bis heute nicht und wird ihn auch in Zukunft nicht benötigen.“

Langfristige Bitcoin-Struktur bleibt intakt

Auch die On-Chain-Daten sprechen bislang nicht für eine breite Flucht langfristiger Anleger. CryptoQuant-Analyst IT Tech zufolge entfallen 30,8 Prozent der realisierten Bitcoin-Marktkapitalisierung auf Coins, die seit sechs bis zwölf Monaten nicht bewegt wurden.

Demnach altern während der Korrektur immer mehr Coins in langfristige Halteklassen hinein, anstatt an Börsen transferiert zu werden. Der Analyst wertet dies als möglichen Aufbau eines Zwischenbodens innerhalb des Zyklus, nicht zwingend als endgültiges Zyklustief.

Kurzfristig kann der Verlust der Unterstützung bei 76.100 US-Dollar den Bitcoin-Kurs bis 70.000 oder 72.000 US-Dollar drücken. Langfristig hängen Angebot und Nachfrage jedoch stärker von globaler Liquidität, ETF-Zuflüssen und institutioneller Adoption ab. Das Scheitern des CLARITY Act erhöht daher die Volatilität, stellt die strukturelle Bitcoin-These aber nicht infrage.