Großbritannien will seine institutionellen Finanzmärkte auf die Blockchain bringen. Ripple gehört zu den Unternehmen, die an der praktischen Umsetzung mitarbeiten und eine entscheidende Rolle spielen.

Von Zahlungssoftware zu institutioneller Infrastruktur

Der neue Bericht des britischen „Wholesale Digital Markets Champion“ skizziert, wie Wertpapiere, Sicherheiten, Zahlungsströme und institutionelle Handelsprozesse künftig über digitale Netzwerke abgewickelt werden sollen. Das Dokument wurde für den britischen Schatzkanzler entwickelt und soll als Grundlage für zukünftige Entscheidungen zur Gestaltung der britischen Großhandelsmärkte dienen.

Die Industry Taskforce besteht aus Branchenriesen wie BlackRock, Goldman Sachs, JPMorgan, HSBC, Coinbase, Circle, LSEG, UBS und auch Ripple. Damit ist Ripple nicht nur stiller Beobachter der britischen Tokenisierungsstrategie. Das Unternehmen ist Teil des Branchengremiums, das die Empfehlungen des Berichts in konkrete Marktprojekte überführen soll.

Für die Umsetzung der Tokenisierungsstrategie ist für die nächsten Monate ein vollständiger Repo-Prozess auf der Blockchain geplant. Repo-Test ist ein Praxistest für ein sogenanntes Repurchase Agreement.

Dabei verkauft beispielsweise eine Bank ein Wertpapier kurzfristig an einen anderen Marktteilnehmer und verpflichtet sich gleichzeitig, es wenig später zu einem etwas höheren Preis zurückzukaufen. Wirtschaftlich funktioniert das wie ein kurzfristiger, besicherter Kredit:

Eine Bank benötigt für einen Tag 100 Millionen Pfund. Sie überträgt britische Staatsanleihen als Sicherheit und erhält dafür das Geld. Am nächsten Tag zahlt sie 100 Millionen Pfund plus Zinsen zurück und bekommt die Anleihen wieder.

Dabei sollen nicht nur einzelne Wertpapiere tokenisiert werden, sondern die gesamte Transaktion:

  • Übertragung der tokenisierten Anleihe als Sicherheit
  • Auszahlung des Geldes
  • Berechnung von Zinsen und Sicherheiten
  • Rückzahlung und Rückübertragung
  • rechtssicherer Abschluss der Transaktion

Der Test soll außerdem prüfen, ob unterschiedliche Blockchain– und Finanzsysteme miteinander kommunizieren können und ob grenzüberschreitende Geschäfte reibungslos funktionieren. Der Repo-Markt ist für Banken zentral, weil sie sich dort kurzfristig Liquidität beschaffen. Ein blockchainbasierter Repo-Prozess könnte:

  • die Abwicklung beschleunigen,
  • Sicherheiten schneller beweglich machen,
  • manuelle Abstimmungen reduzieren,
  • Risiken durch verzögerte Zahlungen senken,
  • Handel auch über verschiedene Plattformen hinweg ermöglichen.

Ripple spielt hierbei eine zentrale Rolle, weil das Unternehmen über Ripple Prime beziehungsweise Hidden Road mehrjährige Erfahrung mit institutionellem Handel, Devisen, Derivaten und Prime Brokerage mitbringt.

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Ripple kooperiert mit mehreren Banken, darunter Santander UK

Der Bericht nennt die Kooperation zwischen Ripple und der Santander UK als starkes Beispiel für eine Partnerschaft zwischen einer traditionellen Bank und einem Blockchain-Unternehmen wie Ripple. Santander nutzt die Blockchain-Technologie von Ripple im Rahmen einer White-Label-Lösung, um grenzüberschreitende Zahlungen schnell und günstig abzuwickeln.

Damit kann Ripple bereits auf eine etablierte Verbindung zu einer britischen Großbank verweisen. Die eigentliche Herausforderung liegt nun in der praktischen Umsetzung: Bestehende Bank- und Zahlungssysteme sollen nicht verdrängt, sondern nahtlos mit neuen Blockchain-Netzwerken verknüpft werden.

Der Bericht plädiert dafür, einheitliche Standards, Schnittstellen und Datenmodelle zu schaffen. Ziel ist eine interoperable Marktinfrastruktur, in der tokenisierte Wertpapiere über verschiedene digitale Zahlungsmittel abgewickelt werden können – etwa Stablecoins wie RLUSD, tokenisierte Bankeinlagen oder Zentralbankgeld.

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Das wirtschaftliche Potenzial ist enorm – auch für Ripple

An den britischen Kapitalmärkten werden täglich Wertpapiere im Volumen von mehr als vier Billionen Pfund abgewickelt. Bereits moderate Effizienzsteigerungen bei Handel, Besicherung und Abwicklung könnten daher erhebliche Auswirkungen auf Liquidität, Kapitalbindung und operative Kosten entfalten.

Welches Volumen blockchainbasierte Repo-Infrastrukturen grundsätzlich bewältigen können, zeigt das Beispiel Broadridge. Die digitale Repo-Plattform des Unternehmens verarbeitete im April 2026 durchschnittlich 368 Milliarden US-Dollar pro Tag und damit nahezu acht Billionen US-Dollar innerhalb eines Monats.

Zugleich befindet sich der Markt für tokenisierte Vermögenswerte noch in einer frühen Entwicklungsphase. Für 2025 beziffert der Bericht das weltweite Volumen auf rund 30 Milliarden US-Dollar. Bis 2035 könnte es der zitierten Prognose zufolge auf 88 Billionen US-Dollar anwachsen.

Ob Ripple dabei langfristig auch eigene Produkte wie RLUSD oder das XRP Ledger integrieren kann, bleibt abzuwarten. Klar ist jedoch: Das Unternehmen sitzt bereits dort mit am Tisch, wo die künftigen Standards für tokenisierte Finanzmärkte mitentwickelt werden.

In den letzten 24 Stunden verzeichnet der Kurs von XRP ein Minus von knapp 1,50% und steht zum Redaktionszeitpuntk bei 1,07 USD.

Mit einer Marktkapitalisierung von 67 Milliarden USD belegt XRP Rang 6 der größten Kryptowährungen weltweit, nach Bitcoin, ETH, USDT, BNB und USDC. Ripple konnte sich letzte Woche eine vollständige MiCa-Lizenz von der Luxemburger Finanzaufsicht CSSF sichern. Damit kann Ripple seine Dienstleistungen in allen 30 Ländern des Europäischen Wirtschaftsraums anbieten.