In einem Livestream am 14. September hat Charles Hoskinson den Personalabbau bei Midnight verteidigt. Der Cardano-Gründer forderte einen Strategiewechsel im gesamten Ökosystem. Statt Entwicklerzahlen und Open-Source-Projekte zu finanzieren, sollen marktfähige Produkte und Nutzerwachstum stärker gefördert werden.

Hintergrund dürfte die weiterhin geringe Nutzung von Cardano sein. Konkreter Auslöser war nun die Entscheidung der Midnight Foundation, einen Teil ihres Developer-Relations-Teams abzubauen und die Ressourcen stärker auf sogenannte „Builder“ auszurichten. Die Kritik, dass der Schritt ein Scheitern von Midnight signalisiert, wies Hoskinson zurück:

„Wir konzentrieren uns auf Builder. Das ist keine Kritik an dem DevRel-Team, von dem wir uns getrennt haben. Es sind gute Leute, die viel wertvolle Arbeit geleistet haben.“

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Hoskinson: Cardano soll sich neu erfinden

Hoskinson betonte, dass allein bei Input Output 168 Wissenschaftler sowie Hunderte Entwickler für das gesamte Ökosystem arbeiten. Hoskinson fordert mehr „Builder“, also Produktmacher und Unternehmensgründer:

„Ein Produkt besitzt Product-Market-Fit, Kunden, Umsatzziele, Adoption und einen Marketingplan. Die Menschen, die solche Produkte schaffen, sind Builder. Entwickler unterstützen Builder, doch sie sind nicht automatisch selbst Builder.“

Hoskinson begründet den Kurswechsel mit dem Aufstieg von Vibe-Coding und KI-gestützter Softwareentwicklung. Programmcode sei dadurch keine knappe Ressource mehr:

„Wir können sagen, dass wir 10.000 Entwickler haben. Großartig – aber was bauen sie, was produzieren sie und wie führt das zu mehr TVL, Transaktionsvolumen und Nutzung der Midnight-Funktionen? Wenn sich diese Verbindung nicht herstellen lässt, ist es eine Eitelkeitsmetrik.“

Hoskinson sucht Teams, die technische Kompetenz mit Produktentwicklung, Marketing und Community-Aufbau verbinden. Innerhalb der kommenden 24 bis 36 Monate will er zehn Midnight-Projekte aufbauen, die sich zu Unternehmen mit einer Bewertung von jeweils zehn Milliarden US-Dollar entwickeln könnten.

Als Beispiel nennt er Midnight City. Das Projekt habe sich mithilfe erfahrener Ingenieure und KI-gestützter Entwicklung innerhalb von sechs Monaten von einer Demonstration zu einer persistenten virtuellen Welt mit fast 10.000 Teilnehmern entwickelt.

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Midnight soll nach Hoskinsons Vorstellung zu einer Art „VPN für Finanzen“ werden. Datenschutz dürfe jedoch nicht das einzige Verkaufsargument sein. Private Anwendungen müssten zugleich einfacher, günstiger und leistungsfähiger als ungeschützte Alternativen werden.

„Der private Agent muss einfacher, günstiger und besser sein als der nicht private Agent. Ist er das nicht, werden sich Verbraucher immer für die nicht private Variante entscheiden. Das haben wir in den vergangenen 30 Jahren gelernt.“

Hoskinson griff zugleich erneut die Cardano Foundation scharf an. Sie unterstütze Midnight öffentlich nicht ausreichend und konzentriere sich zu wenig auf wirtschaftlich messbare Ergebnisse:

„Ich möchte, dass die Cardano Foundation endlich über Midnight spricht. Es ist das größte Projekt auf ihrer Blockchain. Sagt nicht: ‚Das ist Charles’ Projekt, deshalb ignorieren wir es.‘“

Hoskinson sieht drei zentrale Produktfelder: Midnight für Datenschutz, Pogan für Bitcoin-DeFi und RealFi für Mikrofinanzierungen. Diese Anwendungen sollen neue Nutzer, Liquidität, Stablecoins und Transaktionsvolumen nach Cardano bringen.

„Wir haben mit Midnight einen Datenschutz-Vorstoß, mit RealFi einen Mikrofinanz-Vorstoß und mit Pogan einen Bitcoin-DeFi-Vorstoß. Das sind keine hypothetischen Projekte. Sie starten auf Cardano oder sind dort bereits aktiv.“