Ein Bitcoin-Rutsch unter 80.000 US-Dollar, Krypto-ETF-Abflüsse von mehr als einer halben Milliarde Dollar und neue Zweifel an der Abschaffung der deutschen Krypto-Haltefrist prägten diese Woche. Während steigende US-Inflationszahlen und Sorgen um die Zinspolitik den Kryptomarkt belasteten, rückten auch neue Indexregeln für Bitcoin-Treasury-Unternehmen in den Fokus.
Abseits der Kursentwicklung konkretisierte die Deutsche Bank ihren bevorstehenden Start in die Krypto-Verwahrung. Ripple meldete eine neue Bankenkooperation, Cardano Fortschritte bei Leios und Hydra und das IOTA-Ökosystem weitere Schritte in der Logistikinfrastruktur. Darüber hinaus gab es positive Neugikeiten rundum die Erhaltung der Krypto-Haltefrist in Deutschand.
Bitcoin rutscht unter 80.000 Dollar – Erholung bleibt fragil
Bitcoin fiel am 15. Oktober zeitweise auf rund 79.700 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit mehreren Wochen. Die anschließende Erholung führte den Kurs zunächst wieder über 82.000 Dollar. Am Freitag gab BTC jedoch erneut nach und schloss den Handelstag bei rund 81.500 Dollar ab.
Am Samstagabend, dem 17. Oktober, notierte Bitcoin bei rund 81.200 US-Dollar. Damit lag der Kurs weiterhin unter dem Niveau von etwa 83.700 Dollar zum Beginn der Woche. Die zwischenzeitliche Rückeroberung der Marke von 82.000 Dollar erwies sich bislang nicht als nachhaltig.
Auslöser der erhöhten Volatilität waren unter anderem die US-Inflationsdaten vom 14. Oktober. Laut dem US-Arbeitsministerium stieg die jährliche Teuerungsrate im September von 3,4 auf 3,7 Prozent. Der monatliche Preisanstieg erreichte 0,6 Prozent. Die Kerninflation ohne Lebensmittel und Energie erhöhte sich im Jahresvergleich von 2,4 auf 2,6 Prozent.
Tipp der Redaktion: Bitcoin-Kurs am Scheideweg: Absturz unter 80.000 USD oder Rallye auf 93.000 USD?
Die Zahlen verstärkten die Erwartungen, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter anheben könnte. Zusätzlich gerieten am Freitag US-Technologieaktien unter Druck. Der Nasdaq Composite beendete die Woche mit einem Minus von rund 4,5 Prozent.
Auch die Qualität der Bitcoin-Erholung wurde infrage gestellt. Wie unsere Analyse vom Freitag zeigt, führte der Marktbeobachter Ted die Gegenbewegung überwiegend auf Shorteindeckungen und Perpetual-Trader zurück. Eine überzeugende Rückkehr institutioneller Spotnachfrage sah er nicht.
Bitcoin- und Ethereum-ETFs verlieren 548 Millionen Dollar
Die vollständigen Daten der fünf US-Handelstage zeigen eine anhaltend schwache Nachfrage nach börsengehandelten Bitcoin- und Ethereum-Produkten. Laut Farside Investors verzeichneten die US-Spot-Bitcoin-ETFs vom 12. bis 16. Oktober Nettoabflüsse von 228,4 Millionen US-Dollar. Bei den Ethereum-ETFs summierten sich die Mittelabzüge auf 320,1 Millionen Dollar.
Insgesamt zogen Anleger damit netto rund 548,5 Millionen Dollar aus den beiden ETF-Kategorien ab.
| Handelstag | Bitcoin-ETFs | Ethereum-ETFs |
|---|---|---|
| 12. Oktober | −65,4 Mio. USD | −85,4 Mio. USD |
| 13. Oktober | +175,7 Mio. USD | +24,8 Mio. USD |
| 14. Oktober | −261,4 Mio. USD | −129,5 Mio. USD |
| 15. Oktober | +5,1 Mio. USD | −60,3 Mio. USD |
| 16. Oktober | −82,4 Mio. USD | −69,7 Mio. USD |
| Wochensumme | −228,4 Mio. USD | −320,1 Mio. USD |
Quelle: Farside Investors. Nettoflüsse der US-Spot-ETFs vom 12. bis 16. Oktober 2026. Angaben in Millionen US-Dollar.
Besonders schwach fiel der Mittwoch aus. Bei Bitcoin entfielen 152,7 Millionen Dollar Abflüsse auf Fidelitys FBTC und 110,9 Millionen auf BlackRocks IBIT. Die Zuflüsse des Dienstags konnten die Verluste nicht ausgleichen.
Am Freitag drehten auch die Bitcoin-ETFs wieder deutlich ins Minus. BlackRocks IBIT verlor weitere 71,8 Millionen Dollar, Fidelitys FBTC 10,6 Millionen. Bei Ethereum entfielen die gesamten Freitagsabflüsse von 69,7 Millionen Dollar auf BlackRocks ETHA.
Die Mittelabzüge zeigen, dass die ETF-Nachfrage in der abgelaufenen Woche keine nachhaltige Stütze für den Kryptomarkt war. Sie erlauben allerdings keine unmittelbare Prognose über die weitere Kursentwicklung.
Bitcoin-Haltefrist: Steuerreform gerät ins Stocken
In Deutschland stand die geplante Abschaffung der einjährigen Krypto-Haltefrist im Mittelpunkt. Nach der öffentlichen Petitionsanhörung vom 12. Oktober blieb die erwartete Kabinettsentscheidung aus.
Die Bundesregierung veröffentlichte am 14. Oktober die Ergebnisse ihrer Sitzung. Der Entwurf zur Reform der Kryptobesteuerung wurde darin nicht aufgeführt.
Die WirtschaftsWoche berichtete unter Berufung auf zwei Quellen, dass die Ressortabstimmung zwischen den Ministerien noch nicht abgeschlossen sei. Ein neuer Kabinettstermin wurde nicht genannt.
Zusätzlicher Widerstand kam vom Wirtschaftsrat der CDU. Der Verband kritisiert insbesondere das Verhältnis zwischen erwarteten Mehreinnahmen und Verwaltungsaufwand. Für 2028 werden laut dem zugrunde liegenden Bericht lediglich 83 Millionen Euro zusätzliche Steuereinnahmen erwartet. Bis 2031 sollen sie auf 350 Millionen Euro pro Jahr steigen.
Wie unsere Berichterstattung zum CDU-Wirtschaftsrat erläutert, befürchtet der Verband Nachteile für langfristige Sparer und zusätzliche Bürokratie.
Auch Steuerrechtsexperte Dr. Ingo Heuel äußerte sich nach der Bundestagsanhörung optimistischer. Im Gespräch mit Nicole Nowak bezifferte er seine persönliche Einschätzung für einen Erhalt der Haltefrist auf 50:50.
Eine endgültige Entscheidung ist damit nicht gefallen. Der Referentenentwurf des Bundesfinanzministeriums sieht weiterhin vor, Kryptogewinne künftig grundsätzlich als Kapitaleinkünfte zu behandeln und die Steuerfreiheit nach Ablauf eines Jahres für neu erworbene Bestände abzuschaffen.
MSCI-Regeln bedrohen Strategy und Metaplanet
Auch für börsennotierte Krypto-Treasury-Unternehmen brachte die Woche eine wichtige Entwicklung. Der Indexanbieter MSCI bestätigte am 15. Oktober neue Ausschlusskriterien für nicht operativ tätige Unternehmen. Die Regeln sollen mit der Indexüberprüfung im November umgesetzt und zum Handelsschluss am 30. November wirksam werden.
Die offizielle MSCI-Mitteilung sieht eine Prüfung der operativen Vermögenswerte und anschließend fünf Finanzkennzahlen vor. Unternehmen, die vier dieser fünf Kriterien erfüllen, können als nicht operativ eingestuft werden. Für bereits enthaltene Unternehmen gelten zusätzliche Übergangsregeln.
Besonders betroffen sein könnten Bitcoin-Treasury-Unternehmen wie Strategy und Metaplanet. Die endgültige Liste der Indexausschlüsse soll am 11. November veröffentlicht werden.
Wie unsere Analyse zum möglichen MSCI-Ausschluss zeigt, könnten Indexfonds bei einer Streichung gezwungen sein, erhebliche Aktienbestände zu verkaufen. Reuters nennt für Strategy ein potenziell betroffenes Volumen von rund 2,8 Milliarden Dollar.
Ein solcher Aktienverkauf wäre allerdings nicht gleichbedeutend mit einem Verkauf der von Strategy gehaltenen Bitcoin. Der mögliche indirekte Einfluss auf den Kryptomarkt bleibt damit von den tatsächlichen Indexentscheidungen und Marktreaktionen abhängig.
Deutsche Bank will Bitcoin-Verwahrung in wenigen Wochen starten
Die Deutsche Bank steht unmittelbar vor einem neuen Schritt in den Kryptomarkt. Co-Firmenkundenchef Gerald Podobnik erklärte am 16. Oktober, dass der Start des Verwahrungsangebots in Deutschland innerhalb weniger Wochen erfolgen solle.
Damit konkretisiert das Institut seinen bisherigen Zeitplan. Kryptorevolution berichtete bereits über die früheren Pläne, die einen Start im Jahr 2026 vorsahen.
Die Plattform richtet sich zunächst an Unternehmen und institutionelle Kunden. Zu den anfangs unterstützten Kryptowährungen sollen Bitcoin und Ether gehören. Weitere Dienstleistungen, darunter die Übertragung von Stablecoins, tokenisierte Einlagen und die Ausgabe digitaler Wertpapiere, sollen schrittweise folgen.
Für 2027 plant die Deutsche Bank außerdem eine Expansion in asiatische Finanzzentren. Ein konkretes Startdatum und die zuerst vorgesehenen asiatischen Standorte wurden bislang nicht veröffentlicht.
Ledger-Skandal: Neue Details zum Angriff und Verkaufsstopp
Der Skandal um manipulierte Ledger-Hardware-Wallets gehörte zu den wichtigsten Sicherheitsthemen der Woche. Am 15. Oktober veröffentlichte der Hersteller neue Untersuchungsergebnisse zu einer über Monate vorbereiteten kriminellen Operation.
Demnach kauften die Täter echte Geräte, öffneten sie und integrierten versteckte Hardwarekomponenten, die während der Einrichtung Wiederherstellungsphrasen abgreifen konnten. Die manipulierten Geräte gelangten anschließend über Wiederverkäufer in Südostasien in den Handel.
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Ledger betont, dass die eigenen Sicherheitschips, Betriebssysteme und Server nicht kompromittiert worden seien. Der Angriff habe nach dem Verlassen der eigenen Lieferkette stattgefunden. Laut Unternehmen waren die bisher in Deutschland und anderen kontrollierten Beständen untersuchten Geräte unauffällig.
Gleichzeitig reagierte der europäische Elektronikhändler MediaMarktSaturn auf Berichte über möglicherweise betroffene Geräte in Europa. Das Unternehmen nahm Ledger-Produkte vorsorglich international aus dem Sortiment. Der Schritt bedeutet nicht, dass sämtliche Verkaufsstellen nachweislich manipulierte Geräte angeboten haben.
Ledger hat darüber hinaus die Kontrolle seiner Vertriebspartner verschärft.
XRP: Ripple gewinnt Bankpartner, Evernorth aktiviert Treasury-Pläne
Ripple und Cross River Bank kündigten am 15. Oktober die Integration des Dollar-Stablecoins RLUSD in die Kernbankeninfrastruktur der Bank an. Über das Core Operating System (COS) sollen Fintechs RLUSD-Zahlungen auf dem XRP Ledger künftig über eine einheitliche API-Anbindung abwickeln können.
Die offizielle Ankündigung von Cross River nennt grenzüberschreitende Zahlungen, Liquiditätstransfers und eine Verbindung zu klassischen Zahlungswegen wie ACH und Banküberweisungen als Einsatzmöglichkeiten.
Nach Angaben der Bank hat RLUSD inzwischen eine Marktkapitalisierung von mehr als 2,5 Milliarden Dollar erreicht. Mehr als eine Milliarde Dollar des Stablecoins sei auf dem XRP Ledger ausgegeben worden.
Cross River ist außerdem Bankpartner von Elon Musks X Money. Wie Kryptorevolution berichtete, bestätigt die neue Zusammenarbeit allerdings keine direkte Integration von RLUSD in X Money. Die verfügbaren Dienstleistungen sind zunächst auf ausgewählte US-Bundesstaaten beschränkt.
Parallel konkretisierte Evernorth die geplante aktive Verwaltung seiner XRP-Bestände. Das an der Nasdaq notierte Unternehmen stellte am 14. Oktober Ripple, Kraken, Coinbase und BitGo als erste institutionelle Partner vor.
Laut der Unternehmensmitteilung sollen ab dem vierten Quartal 2026 erste Strategien mit Mitteln aus der Treasury von rund 473 Millionen XRP beginnen. Später könnten Kredit- und DeFi-Anwendungen auf dem XRP Ledger folgen, sofern die entsprechende Infrastruktur produktiv nutzbar ist.
Die Strategie soll langfristig den XRP-Bestand je Aktie erhöhen. Die Partnerschaften und geplanten Aktivitäten stehen teilweise noch unter Abschluss- und Genehmigungsvorbehalten.
Cardano: Leios-Testphase und deutlicher Hydra-Fortschritt
Bei Cardano standen in dieser Woche die Skalierungsprojekte Leios und Hydra im Mittelpunkt. Input Output kündigte den Übergang des öffentlichen Leios-Testnetzes MusashiNet in die Fire-Phase an. Dabei wird die Netzwerklast schrittweise erhöht, um Engpässe zu identifizieren und die Software für einen späteren Mainnet-Einsatz vorzubereiten.
Wie wir über die neue Leios-Testphase berichteten, folgt Fire auf die Phasen Earth und Water. In früheren Tests erreichte das Netzwerk einen Spitzenwert von 26,8 Transaktions-Kilobyte pro Sekunde, deutlich mehr als die Vergleichskapazität des damaligen Mainnet-Parametersatzes.
Ein weiterer Fortschritt wurde im Entwicklungsbericht vom 16. Oktober dokumentiert. Das Hydra-Team erhöhte die maximale Zahl von Transaktionen pro Snapshot von 1.000 auf 4.000.
In einem lokalen Test mit drei Nodes konnten dadurch 24.000 einfache Überweisungen an dieselbe Adresse in nur 13,50 Sekunden verarbeitet werden. Zuvor hatte derselbe Test 37,04 Sekunden benötigt. Die Verarbeitung war damit rund 2,7-mal so schnell.
Die Ergebnisse stammen aus einem speziellen Versuchsaufbau und dürfen nicht mit dem allgemeinen Durchsatz des Cardano-Mainnets gleichgesetzt werden. Der Fortschritt zeigt jedoch, dass weitere Optimierungen der Layer-2-Infrastruktur erhebliche Leistungsverbesserungen ermöglichen.
Auch beim geplanten Dijkstra-Upgrade ging die Entwicklung weiter. Unter anderem wurden die Prognosefunktionen für Leios erweitert und zusätzliche Arbeiten an Plutus V4 dokumentiert. Ein verbindlicher Mainnet-Termin für die neuen Funktionen wurde damit nicht bestätigt.
IOTA: Logistiknetzwerk startet operativ, Protokoll 38 in Vorbereitung
Im IOTA-Ökosystem sorgte der Virtual Watch Tower (VWT) für Aufmerksamkeit. Beim RISE Mobility Forum am 8. Oktober in Göteborg wurde der offizielle Start der Initiative gefeiert. VWT-Generalsekretär Mikael Lind berichtete darüber am 14. Oktober.
Das Projekt soll damit den Übergang aus der Forschungsphase in die operative Nutzung schaffen. Sein Datennetz VWTnet nutzt die auf IOTA-Technologie aufbauende Infrastruktur TWIN, um Informationen zwischen Unternehmen, Logistikdienstleistern und weiteren Beteiligten auszutauschen.
Im Mittelpunkt steht ein Pilotprojekt mit H&M. Dabei werden reale Lieferungen aus Bangladesch an schwedische Distributionszentren begleitet. Die neue Lösung läuft parallel zu den bisherigen Abläufen, um ihren praktischen Nutzen zu überprüfen.
Unsere vertiefende Recherche vom 16. Oktober zeigt außerdem, wie breit das Netzwerk aufgestellt ist. Bereits die früheren Projektphasen umfassten mehr als 70 Beteiligte und Tests mit über 500 Sendungen. Zu den dokumentierten Unternehmen zählen unter anderem Ericsson, Scania, PSA International, Transporeon und Stora Enso.
Allerdings unterscheiden sich die Rollen deutlich. Während H&M und Alleima konkrete Anwendungsfälle erproben, stammen die Nachweise für andere Konzerne teilweise noch aus der ursprünglichen Projektphase. Eine produktive Nutzung der IOTA-Infrastruktur durch sämtliche Beteiligte ist damit nicht belegt.
Auch bei der Protokollentwicklung ging es weiter. IOTA veröffentlichte am 14. Oktober die Testnet-Vorabversion v1.34.0-rc mit Protokoll 38. Eine wichtige Änderung soll fehlerhaft aufgebaute Transaktionen bereits bei der Signierung zurückweisen, statt sie erst bei der kostenpflichtigen Ausführung scheitern zu lassen.
Die Veröffentlichung betrifft zunächst das Testnet. Eine entsprechende Mainnet-Aktivierung wurde damit noch nicht bestätigt.












