Kritische Infrastrukturen müssen nicht nur zuverlässig funktionieren – ihr Betrieb muss sich auch lückenlos, nachvollziehbar und manipulationssicher dokumentieren lassen. Genau hier setzt JUMBO BLOCK an: Das Unternehmen verbindet Lösungen für klimaresiliente Infrastruktur und intelligentes Wassermanagement mit einer kryptografischen Nachweisführung über das IOTA-Mainnet.

Im Interview erläutert Initiator und Produktentwickler Andreas Zanni, warum sich JUMBO BLOCK für IOTA entschieden hat, welche Betriebsdaten auf der Blockchain verankert werden und weshalb sensible Informationen weiterhin außerhalb des öffentlichen Netzwerks gespeichert bleiben.

Zudem spricht er über den praktischen Nutzen für Kommunen, Betreiber kritischer Infrastrukturen, Behörden, Auditoren und Versicherungen – und darüber, welche Rolle digitale Nachweise künftig beim Aufbau widerstandsfähiger Städte spielen können.

IOTA als manipulationssicherer Vertrauensanker

Marcel Knobloch: Warum fiel die Entscheidung auf IOTA als Blockchain-Lösung und welche Alternativen haben Sie im Vorfeld evaluiert?

Andreas Zanni: Wir haben verschiedene Technologien betrachtet. Für uns stand jedoch nie die Blockchain selbst im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie sich Betriebsdaten kritischer Infrastruktur langfristig, nachvollziehbar und wirtschaftlich absichern lassen.

IOTA hat uns insbesondere durch seine moderne Architektur, den vergleichsweise ressourcenschonenden Ansatz sowie die geringen Transaktionskosten überzeugt. Das passt zu unserer Unternehmensphilosophie, denn Nachhaltigkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen gehören seit Beginn zur DNA von JUMBO BLOCK.

Unser Ziel war nie, möglichst viele Daten auf einer Blockchain zu speichern. Vielmehr wollten wir einen effizienten und manipulationssicheren Integritätsnachweis schaffen, der sich nahtlos in unsere Infrastrukturtechnologie integriert.

Marcel Knobloch: Welche Daten oder Ereignisse werden konkret auf dem IOTA-Mainnet verankert und nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welche Informationen on-chain und welche ausschließlich off-chain gespeichert werden?

Andreas Zanni: Unsere TTN→IOTA-Bridge verarbeitet die eingehenden Sensordaten zunächst außerhalb der Blockchain. Dabei werden die Nachrichten strukturell geprüft, die für den Anlagenbetrieb benötigten Werte extrahiert und entsprechend einer definierten Intervall- und Aggregationslogik zu einem Blockchain-Datensatz zusammengeführt. Die Bridge erstellt und signiert daraus in regelmäßigen Abständen eine Transaktion auf dem IOTA-Mainnet.

Die umfangreichen Anlagen-, Sensor- und Betriebsdaten verbleiben grundsätzlich in unserer eigenen Audit- und Dashboard-Infrastruktur.Auf dem Mainnet werden ausschließlich die für den kryptografischen Integritätsnachweis erforderlichen Informationen verankert. Dadurch vermeiden wir, sensible oder umfangreiche Betriebsdaten unnötig öffentlich und dauerhaft auf einer Blockchain abzulegen.

Die genaue Datenarchitektur und Feldaufschlüsselung unterliegt unserem Anlagenschutz. Entscheidend für die Praxis ist: IOTA dient als fälschungssicherer Integritätsnachweis. Durch den gezielten Einsatz kryptografischer Prüfsummen gewährleisten wir die Integrität und Nachvollziehbarkeit unserer Nachweise, ohne sensible Betriebsgeheimnisse auf der Blockchain offenzulegen.

Marcel Knobloch: Sie sprechen von einer kryptografischen Verifikation statt einer permanenten Speicherung aller Sensordaten. Wie läuft dieser Verifikationsprozess technisch ab und welchen Mehrwert bietet er gegenüber klassischen Datenbanken?

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Andreas Zanni: Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass wir nicht versuchen, jede einzelne Information dauerhaft auf einer Blockchain abzulegen. Stattdessen erzeugen wir einen kryptografischen Nachweis über definierte Datenstände.

Eine klassische Datenbank kann grundsätzlich verändert werden – berechtigt oder unberechtigt. Durch die zusätzliche kryptografische Verankerung können wir jederzeit nachweisen, dass ein bestimmter Datenstand zu einem definierten Zeitpunkt existiert hat und anschließend nicht unbemerkt verändert wurde.

Dadurch verbinden wir die Flexibilität klassischer Datenbanken mit der Integrität einer öffentlichen Blockchain.

Marcel Knobloch: Welche Vorteile bringt die Umstellung vom IOTA-Testnet auf das Mainnet für Ihre Kunden und Betreiber kritischer Infrastrukturen im praktischen Einsatz?

Andreas Zanni: Mit dem Mainnet verlassen wir die Entwicklungs- und Testphase und schaffen einen produktiven, öffentlich überprüfbaren Nachweis.

Gerade bei kritischen Infrastrukturen reicht es nicht aus, dass ein System funktioniert. Es muss auch nachvollziehbar dokumentieren können, dass Betriebsereignisse tatsächlich stattgefunden haben. Genau diesen Mehrwert bietet das Mainnet.

Marcel Knobloch: Besteht Kontakt zur IOTA Stiftung, etwa im Hinblick auf technische Unterstützung? Falls nicht: Ist eine zukünftige Zusammenarbeit geplant?

Andreas Zanni: Derzeit besteht kein direkter Kontakt zur IOTA Foundation.

Unsere Integration wurde vollständig eigenständig entwickelt. Selbstverständlich stehen wir einem zukünftigen fachlichen Austausch offen gegenüber, wenn sich gemeinsame Anwendungsfelder ergeben.

Marcel Knobloch: Da die anfallenden Transaktionsgebühren in IOTA bezahlt werden müssen: Verfügt Ihr Unternehmen über ein IOTA-Treasury? Welche Erfahrungen haben Sie dabei insbesondere mit der bilanziellen und steuerlichen Behandlung gemacht?

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Andreas Zanni: Für den Betrieb unserer eigenen Systeme verwenden wir ein separates operatives Mainnet-Wallet mit einer bewusst begrenzten Betriebsreserve.

Unsere Aufgabe endet jedoch bei der technischen Bereitstellung der Infrastruktur. Jeder Betreiber verwaltet sein eigenes Wallet und trägt die Transaktionskosten seiner eigenen Anlage selbst. Wir verkaufen keine Blockchain-Dienstleistung, sondern liefern eine Infrastrukturplattform mit integrierter kryptografischer Nachweisführung.

Bilanzielle und steuerliche Fragestellungen hängen von den jeweiligen gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Unternehmensstruktur des Betreibers ab und sollten individuell bewertet werden.

Marcel Knobloch: Wer sind aktuell die Hauptzielgruppen für Jumbo Block – Kommunen, Industrie, Logistik oder Betreiber kritischer Infrastrukturen – und wie groß ist das Interesse an blockchainbasierter Nachweisführung?

Andreas Zanni: Unsere Hauptzielgruppen sind Kommunen, Industrie sowie Betreiber kritischer Infrastrukturen.

Die Gespräche beginnen meist mit Themen wie Starkregenschutz, Wassermanagement oder Infrastruktur. Sobald jedoch Betreiberverantwortung, Dokumentationspflichten, Audits oder Versicherungsfragen zur Sprache kommen, wird der Mehrwert manipulationssicherer Nachweise sehr schnell deutlich.

Wer Verantwortung trägt, möchte diese im Ernstfall auch belastbar nachweisen können. Genau dort setzt unsere Lösung an.

Marcel Knobloch: Das Dashboard schlägt Maßnahmen vor, die Verantwortung bleibt jedoch beim Betreiber. Welche Rolle spielen dabei KI-gestützte Auswertungen und wie stellen Sie sicher, dass Entscheidungen nachvollziehbar und auditierbar bleiben?

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Andreas Zanni: Wir haben uns bewusst gegen eine vollautonome KI entschieden.

Unser Dashboard arbeitet mit deterministischen Algorithmen. Es analysiert Daten, erkennt Muster und schlägt dem Betreiber geeignete Maßnahmen vor.

Die Entscheidung trifft jedoch immer der verantwortliche Mensch. Gerade im Bereich kritischer Infrastrukturen halten wir dieses Prinzip für unverzichtbar. Technik soll den Menschen unterstützen – nicht seine Verantwortung übernehmen.

Alle relevanten Entscheidungen können anschließend transparent dokumentiert und kryptografisch nachgewiesen werden.

Marcel Knobloch: Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit der Integration von IOTA gemacht? Gab es technische Herausforderungen oder Anpassungen, die während der Entwicklung notwendig wurden?

Andreas Zanni: Die Integration verlief erfreulich unkompliziert.

Bereits im IOTA-Testnet konnten wir unser Dashboard über einen längeren Zeitraum stabil betreiben. Unsere Erfahrungen waren durchweg positiv.

Der Wechsel auf das Mainnet war deshalb keine grundlegende Neuentwicklung, sondern der konsequente Abschluss unserer Testphase. Die technische Grundlage war bereits vorhanden – mit der Aktivierung des Mainnets haben wir den produktiven Betriebsstatus offiziell erreicht.

Marcel Knobloch: Sie schreiben, dass KRITIS nur der Anfang sei. Welche weiteren Anwendungsfelder planen Sie konkret und welche Rolle soll IOTA dabei künftig spielen?

Andreas Zanni: Unsere Module können deutlich mehr als Regenwasser speichern.

Sie bilden die Grundlage für ein digitales Infrastrukturmanagement. Dazu gehören unter anderem thermische Energiespeicherung, Oberflächenkühlung, intelligentes Leitungsmanagement, Wartungsdokumentation sowie weitere Anwendungen rund um eine resiliente Infrastruktur.

Überall dort, wo Betriebszustände langfristig nachvollziehbar dokumentiert werden müssen, kann IOTA künftig als neutraler Integritätsnachweis eine wichtige Rolle übernehmen.

Marcel Knobloch: Welche Vorteile ergeben sich aus Ihrer Sicht für Behörden, Auditoren oder Versicherungen, wenn Betriebs- und Wartungsdaten über IOTA kryptografisch nachweisbar dokumentiert werden?

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Andreas Zanni: Gerade Betreiber kritischer Infrastrukturen stehen heute unter zunehmendem regulatorischem Druck. Dokumentationspflichten, kurze Meldefristen und die persönliche Verantwortung der Entscheidungsträger gewinnen kontinuierlich an Bedeutung.

Unser Dashboard ermöglicht es, relevante Betriebs- und Wartungsereignisse kryptografisch nachvollziehbar zu dokumentieren und diese Nachweise bei Bedarf unmittelbar bereitzustellen.

Dadurch entstehen transparente und belastbare Dokumentationen für Behörden, Auditoren und Versicherungen.

Wer sich mit den möglichen Folgen unzureichender Dokumentation im KRITIS-Umfeld beschäftigt, erkennt schnell den wirtschaftlichen Wert einer manipulationssicheren Nachweisführung.

Marcel Knobloch: Wie sieht Ihre Roadmap für die kommenden zwölf bis 24 Monate aus? Sind zusätzliche Funktionen, weitere Blockchain-Integrationen oder Kooperationen mit Partnern aus Industrie und öffentlicher Hand geplant?

Andreas Zanni: Unser Schwerpunkt liegt ganz klar auf dem weiteren Ausbau des Gesamtsystems JUMBO BLOCK.

Die Anforderungen an eine klimaresiliente Infrastruktur werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Deshalb entwickeln wir unser integriertes Gesamtsystem konsequent weiter – von den modularen Betonbausteinen über die Engineering Suite und das Dashboard bis hin zur kryptografischen Nachweisführung mit IOTA.

Parallel investieren wir in den weiteren Ausbau unseres Produktions- und Entwicklungsstandortes in Weißensee. Damit schaffen wir die Grundlage, neue Systemlösungen schneller in die Praxis zu bringen und die steigende Nachfrage langfristig zu bedienen.

Unser Ziel ist eine langlebige, nachhaltige Infrastruktur, die Regenwasser als wertvolle Ressource nutzt, Städte widerstandsfähiger macht und den Betrieb kritischer Infrastrukturen digital unterstützt. IOTA ist dabei ein wichtiger Bestandteil unseres Konzepts. Im Mittelpunkt steht jedoch immer JUMBO BLOCK.

Marcel Knobloch: Vielen Dank für die ausführliche Beantwortung unserer Fragen und Ihre Zeit! Wir wünschen Ihnen alles Gute für JUMBO BLOCK und natürlich auch persönlich!

Andreas Zanni: Vielen Dank! Wir treiben die Kryptorevolution weiter voran!

Über Andreas Zanni

Andreas Zanni ist Initiator und Produktentwickler des JUMBO BLOCK Systems sowie seit über 30 Jahren selbstständiger Unternehmer im Bereich thermischer Anlagenbau und Umweltschutz. Über viele Jahre hinweg lag sein Schwerpunkt auf internationalen Projekten und der Entwicklung technischer Lösungen für unterschiedliche industrielle Anwendungen.

Heute steht für Ihn jedoch nicht mehr die einzelne Person im Mittelpunkt, sondern das Team. Große Infrastrukturprojekte entstehen nur durch das Zusammenspiel vieler Unternehmen, Ingenieure und Fachleute. Genau deshalb versteht er sich auch in erster Linie als Teamplayer. Hinter JUMBO BLOCK steht heute ein starkes Netzwerk aus Entwicklung, Planung, Produktion und Anwendung, das gemeinsam daran arbeitet, zukunftsfähige Infrastruktur für kommende Generationen zu schaffen.