Cardano-Gründer Charles Hoskinson beendet die bisherige „Cardano first and forever“-Strategie von Input Output. Neue Produkte sollen künftig auf dem jeweils am besten geeigneten Netzwerk erscheinen. Darüber hinaus kündigt Hoskinson an, seine persönliche Rolle in der Governance von Cardano deutlich zurückzufahren.

Input Output verabschiedet sich von „Cardano first“

In einem Livestream vom 18. September machte Hoskinson den Strategiewechsel erstmals unmissverständlich öffentlich. Hintergrund seien unter anderem abgelehnte Finanzierungsanträge bei der Cardano-Treasury:

„Wir arbeiten nicht länger nach dem Prinzip, zuerst und für immer auf Cardano zu veröffentlichen. Wir haben dieses Modell der Treasury vorgelegt, doch sie hat Nein gesagt. Deshalb werden wir auf dem besten verfügbaren Netzwerk deployen, das zu dem passt, was und wie wir bauen wollen.“

Einige Produkte würden weiterhin auf Cardano starten, andere auf Midnight oder weiteren Netzwerken. Für Bitcoin-DeFi auf UTXO-Basis bezeichnete Hoskinson Cardano ausdrücklich als beste technologische Wahl. In anderen Bereichen müsse Input Output jedoch auf alternative Infrastrukturen zurückgreifen.

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Hoskinson fehlt der Wille für einen neuen Governance-Kampf

Noch deutlicher fiel seine persönliche Bilanz aus. Hoskinson hatte zeitweise erwogen, innerhalb der Cardano-Governance eine politische Organisation aufzubauen. Nach eigener Einschätzung hätte er dafür 20 bis 30 Prozent der Stimmkraft mobilisieren können.

Zu den möglichen Forderungen hätten die Ablösung der Cardano Foundation und womöglich die Rückforderung von Geldern gehört. Hoskinson verwarf den Plan jedoch, weil er einen langwierigen und destruktiven Konflikt erwartet:

„Ich habe für all das einen Plan entworfen, die einzelnen Teile zusammengestellt und viele Menschen mobilisiert. Nach langem Nachdenken bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich diesen Kampf nicht mehr in mir habe – nicht dafür und nicht für das Cardano-Ökosystem. Es ist zu viel passiert.“

Seine Leidenschaft und sein Antrieb seien nicht mehr dieselben wie früher; seine Haltung sei inzwischen stärker geschäftlich geprägt. Den Großteil seiner Zeit will Hoskinson im kommenden Jahr in Midnight und Midnight City investieren.

Scharfe Kritik an Cardano Foundation und Emurgo

Hoskinson erneuerte zugleich seine Kritik an zwei Gründungsorganisationen des Netzwerks. Cardano habe seit zwei Jahren ein „ernstes Problem“ mit der Cardano Foundation, ohne dass bislang eine Lösung absehbar ist.

Rückblickend hätte er die damalige Auseinandersetzung mit den Schweizer Behörden lieber vor Gericht ausgetragen, um eine von der Community kontrollierte Foundation zu erreichen:

„Seit zwei Jahren sage ich, dass wir ein ernstes Problem mit der Foundation haben. Es gibt keine Lösung. Die Menschen, von denen ich erwartet hatte, dass sie sich zu Hütern Cardanos zusammenschließen, haben es nicht getan; stattdessen verhielten sie sich neutral und sagten: ‚Das ist die neue Ordnung, und wir werden sie einfach tolerieren.‘“

Auch Emurgo habe für das Ökosystem nicht funktioniert. Dessen jüngster Vorstoß mit SecondFi ist „nach hinten losgegangen“, woraufhin sich das Unternehmen zurückgezogen hat. Hoskinson erwartet deshalb eine Rotation von Cardano-Urgesteinen hin zu neuen Akteuren, deren Wirkung erst in sechs bis zwölf Monaten sichtbar wird.

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Treasury-Entscheidungen kosten Cardano wirtschaftliche Chancen

Als Beispiel nannte Hoskinson Pogan, das Bitcoin-Liquidität in DeFi-Anwendungen leiten soll. Weil die Cardano-Treasury das Projekt nicht finanzierte, werde es nun multichain statt Cardano-zentriert entwickelt. Cardano könne zwar weiterhin Transaktionsgebühren, TVL und Volumen erhalten, verliert jedoch die Exklusivität und eine Beteiligung an den Einnahmen:

„Pogan ist eine gewaltige Sache, weil es als Gateway dienen wird, durch das Bitcoin im Wert von Billionen US-Dollar in Netzwerke wie Cardano fließen kann. Das würde unser TVL und die Ausgabe von Stablecoins massiv steigern und DeFi auf Cardano ermöglichen, richtig zu funktionieren. Pogan ist der größte Wachstumstreiber für Cardano-DeFi, weshalb es für mich völlig unbegreiflich war, dass die Treasury keine Finanzierung bewilligte.“

Ähnlich argumentierte er beim abgelehnten Vorschlag für einen Sovereign Wealth Fund. Nach seiner hypothetischen Rechnung hätten bei einem ADA-Kurs von 0,83 US-Dollar Stablecoins im Wert von 100 Millionen US-Dollar gesichert werden können.

Bei einem späteren Kurs von weniger als 0,20 US-Dollar hätte die Kaufkraft gegenüber ADA nahezu 400 Millionen US-Dollar entsprochen.

„Ich habe Cardano nicht aufgegeben“

Trotz seiner Abrechnung widersprach Hoskinson der Interpretation, er kehre Cardano vollständig den Rücken. Das Netzwerk sei inzwischen unabhängig von ihm geworden, entwickle sich in eigene Richtungen und müsse von ihm nicht länger „babysittet“ werden. Er bezeichnete sich weiterhin als einen der größten ADA-Halter.

RealFi soll nach seinen Angaben bereits im Oktober auf Cardano starten, Pogan innerhalb von 90 Tagen folgen. Auch Leios liege im Zeitplan, während Blink Labs mit seinem alternativen Node bereits Blöcke im Mainnet produziert habe.

Hoskinsons Rückzug betrifft damit vor allem die politische Führung des Ökosystems – nicht das technische oder kommerzielle Engagement von Input Output.