Coinbase erhöht vor der Abstimmung über den CLARITY Act am 15. September den Druck auf die US-Bankenlobby. CEO Brian Armstrong und Vice Chair Ryan VanGrack stellen den Streit um Stablecoin-Rewards als Wettbewerbskonflikt dar.

Coinbase wehrt sich gegen die Bankenlobby

In einem Interview argumentierte VanGrack, dass etablierte Finanzinstitute vor allem den Wettbewerb durch verzinste Stablecoin-Angebote fürchten. Aus Sicht der Coinbase-Führung kommen günstigere Transaktionen und niedrigere Markteintrittsbarrieren aber vor allem den Verbrauchern zugute. VanGrack sagte:

„Etablierte Anbieter fürchten stets den Wettbewerb. Das gilt im Finanzwesen genauso wie in jeder anderen Branche. Bei Krypto und Coinbase ging es immer um wirtschaftliche Freiheit und neue Möglichkeiten – durch schnellere und günstigere Transaktionen mit niedrigeren Zugangshürden.“

Tipp der Redaktion: Unruhe im US-Senat: Kommt jetzt der Durchbruch für den Clarity Act?

Die Front verlaufe nach Darstellung VanGracks jedoch nicht geschlossen zwischen Banken und Krypto-Unternehmen. Große Wall-Street-Häuser unterstützten den Gesetzentwurf, während zahlreiche Finanzinstitute bereits Blockchain-Infrastruktur entwickelten oder mit Unternehmen wie Coinbase kooperierten.

Im Mittelpunkt steht Section 404 der aktuellen CLARITY-Act-Fassung. Sie untersagt Krypto-Dienstleistern, US-Kunden passive Zinsen auf Stablecoins zu zahlen. Aktivitäts- oder transaktionsbasierte Rewards sollen unter noch auszuarbeitenden Regeln grundsätzlich möglich bleiben.

VanGrack verweist zugleich auf eine schwerwiegende Folge des Scheiterns:

„Der GENIUS Act, der Stablecoins reguliert, ist bereits geltendes Recht. Sollte dieser Gesetzentwurf scheitern, behielte die Kryptoindustrie tatsächlich mehr Spielraum, Rewards anzubieten, nicht weniger. Vor allem aber wird die Erzählung von Krypto gegen Banken zunehmend zu Clickbait, weil dieser Konflikt in der Praxis weitgehend entschieden ist.“

Bankenverbände sehen das anders. Die Independent Community Bankers of America fordert ein umfassenderes Verbot und warnt, Stablecoin-Renditen könnten den Community Banks Einlagen von 1,3 Billionen US-Dollar entziehen und ihre Kreditvergabe um 850 Milliarden US-Dollar reduzieren.

Lesetipp: Ripple drängt beim CLARITY Act auf Kompromiss: „Perfektion darf nicht im Weg stehen“

Widerstand kommt nur noch von wenigen Banken

Armstrong betonte in einem FOX-Business-Interview, dass Goldman Sachs, Citi und BNY sowie Fidelity und BlackRock den CLARITY Act bereits unterstützen. Der Widerstand geht lediglich von einer kleineren Gruppe verbliebener Banken aus:

„Sie wollen keinen Wettbewerb durch Krypto-Unternehmen. Sie wollen ihren Kunden keine höheren Zinsen zahlen müssen. Freier Wettbewerb ist letztlich der wirksamste Verbraucherschutz, weil er bessere Ergebnisse für alle schafft.“

Am 15. September um 20:15 Uhr deutscher Zeit findet die Abstimmung über den Cloture-Antrag statt. Für die Annahme sind 60 Stimmen erforderlich. Ein erfolgreiches Votum wäre aber noch keine endgültige Verabschiedung. Es würde den CLARITY Act aber in die entscheidende Senatsphase bringen.