Das Blockchain-Unternehmen Ripple hat sich mit Clearpool und Cicada Partners zusammengetan, um die institutionelle Kreditvergabe direkt auf dem XRP Ledger zu etablieren.

Dabei sollen vor allem reale Unternehmenskredite von echten Unternehmen anstelle der bislang im Bereich der dezentralen Finanzen verbreiteten und stark renditegetriebenen Kredite auf das XRPL gebracht werden.

Ripple, Clearpool und Cicada bringen institutionelle Kredite auf das XRP Ledger

Um das Vorhaben umzusetzen, entwickelt Clearpool eine Kreditinfrastruktur auf Basis des geplanten XRPL Lending Protocol XLS-66 und der Single Asset Vaults nach XLS-65. Diese beiden Funktionen befinden sich derzeit noch im Amendment-Abstimmungsprozess des Netzwerks.

Cicada Partners übernimmt die Kreditvergabe auf operativer Ebene. Das Unternehmen soll Kreditnehmer auswählen, Vertragsbedingungen festlegen und deren finanzielle Situation während der Laufzeit überwachen. Nach eigenen Angaben hat Cicada bislang Kredite von mehr als 860 Millionen Dollar auf den Weg gebracht.

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Ripple hingegen beteiligt sich als Geldgeber am Kreditfonds und investiert zu denselben Bedingungen wie andere institutionelle Kapitalgeber. Das Unternehmen fungiert damit nicht als Absicherung für mögliche Verluste, sondern als regulärer Investor.

Die zu vergebenden Kredite sollen in Ripples Stablecoin RLUSD ausgegeben werden. Als mögliche Kunden nennt Cicada Partners zahlungsstarke Fintechs, Zahlungsdienstleister und Krypto-Unternehmen, die Stablecoins für Betriebskapital und die Optimierung ihrer Zahlungsströme einsetzen wollen.

Bei klassischen DeFi-Renditestrategien entstehen Erträge durch Arbitrage, gehebelte Positionen und weitere Liquiditätsanreize. Beim XRPL Lending Protocol hingegen soll die Rendite aus Zinszahlungen der Kreditnehmer generiert werden. Die folgende Abbildung veranschaulicht die beschriebene Funktionsweise.

Schaubild zum XRPL-Lending-Protokoll mit Clearpool, Cicada Partners, Ripple und einem Fintech-Kreditnehmer sowie RLUSD-Zahlungsströmen.
Das Schaubild zeigt die geplante Kreditstruktur auf dem XRP Ledger: Ripple stellt RLUSD-Kapital bereit, Cicada verwaltet den Kreditpool, Clearpool liefert die Infrastruktur und Fintech-Kreditnehmer erhalten Darlehen in RLUSD. Quelle: https://x.com/cicadacredit/status/2090426807292244039

Mainnet-Start hängt von XRPL-Abstimmung ab

Heute ist die beschriebene Infrastruktur noch nicht auf dem XRPL-Mainnet verfügbar. Clearpool entwickelt und testet die Integration derzeit auf dem Devnet. Eine technische Demonstration des vollständigen Ablaufs von der Einrichtung eines Pools bis hin zur Rückzahlung eines Kredits ist aber bereits angekündigt.

Für den produktiven Einsatz müssen XLS-65 und XLS-66 zunächst das Amendment-Verfahren des XRP Ledger durchlaufen. Erst nach einer erfolgreichen Aktivierung können die geplanten Kreditmärkte auf dem Mainnet starten.

Auch Compliance-Funktionen spielen dabei eine zentrale Rolle. Permissioned Domains und Credentials sollen den Zugang auf verifizierte Teilnehmer beschränken.

Credentials dienen auf dem XRP Ledger als digitale Berechtigungsnachweise für verifizierte Wallets. Permissioned Domains legen fest, welche dieser Nachweise Teilnehmer besitzen müssen, um auf bestimmte geschützte Märkte oder Kreditpools zugreifen zu können.

Zusätzlich unterstützt XRPL mit Clawback eine Funktion, über die bestimmte ausgegebene Vermögenswerte unter definierten Bedingungen zurückgeholt werden können, etwa aus regulatorischen Gründen.

Die Funktion ist jedoch standardmäßig deaktiviert und muss für die jeweilige Ausgabe entsprechend aktiviert sein. XRP selbst kann nicht per Clawback zurückgeholt werden.

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Jeder Kredit soll in RLUSD denominiert sein. XRP bleibt gleichzeitig das native Asset des Netzwerks und wird für Transaktionsgebühren sowie erforderliche Reserven genutzt. Cicada führt dazu weiter aus:

“Diese Implementierung zeigt, dass XRPL nicht nur eine Zahlungs-Chain ist. Es handelt sich um eine vollständige Finanzinfrastruktur-Ebene.”

Das nächste Schaubild zeigt im Detail, wie der Prozess bei der Aufnahme eines Kredits in der Praxis ablaufen soll.

Schaubild zum RLUSD-Kreditkreislauf auf dem XRP Ledger mit Ripple, institutionellen Kapitalgebern, Clearpool, Cicada und Fintech-Kreditnehmern.
Die Grafik zeigt den geplanten RLUSD-Kreislauf auf dem XRP Ledger. Ripple und weitere institutionelle Kapitalgeber zahlen RLUSD in Clearpool-Vaults ein, aus denen Cicada Mittel an geprüfte Fintech-Kreditnehmer weiterleitet. Quelle: https://x.com/cicadacredit/article/2090426807292244039/media/2090200816510713856

Laut Angaben von McKinsey hat das weltweite Stablecoin-Volumen im Jahr 2025 insgesamt 27 Billionen USD erreicht. Insbesondere Fintechs und Zahlungsdienstleister nutzen digitale Dollar wie RLUSD, USDT oder USDC zunehmend für grenzüberschreitende Zahlungen, Liquiditätsmanagement und die Finanzierung ihres laufenden Geschäftsbetriebs.

Genau hier setzt das Vorhaben von Ripple, Clearpool und Cicada Partners an: Statt Renditen primär aus Arbitrage und Hebelstrategien zu generieren, sollen auf dem XRP Ledger reale Kreditforderungen mit Zinszahlungen wirtschaftlich geprüfter Unternehmen entstehen.

Für institutionelle Investoren könnte damit eine bislang fehlende Brücke zwischen blockchainbasierter Infrastruktur und klassischer Kreditvergabe entstehen. Entscheidend ist dabei weniger die technische Abwicklung als die Frage, ob sich Bonitätsprüfung, Vertragsstruktur und laufende Überwachung realwirtschaftlicher Kredite verlässlich auf eine Onchain-Infrastruktur übertragen lassen.

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Ob sich daraus ein belastbarer institutioneller Kreditmarkt auf dem XRP Ledger entwickelt, bleibt jedoch zunächst abzuwarten.